San Francisco wehrt sich gegen Gesichts­erkennung

Ausgerechnet San Francisco, Heimat von Tausenden von Tech-Firmen, könnte die erste Stadt sein, die den Einsatz von Gesichtserkennung für die Polizei und weitere Behörden verbietet. Dies schreibt die Nachrichtenagentur 'AP'.
 
Seit über einem Jahrzehnt setzen amerikanische Behörden und auch Unternehmen Software ein, um Gesichter aufzuzeichnen und gegen Bilder in Datenbanken, wie etwa Führerscheine abzugleichen. Aber die jüngsten Fortschritte in verschiedenen Tech-Bereichen, darunter Künstliche Intelligenz, haben die Fähigkeiten der sogenannten Computer Vision Tools massiv ausgeweitet, so der Bericht. Die Tools können beispielsweise von der Polizei verwendet werden, um ein vermisstes Kind oder einen Demonstranten in einer sich bewegenden Menschenmenge zu lokalisieren. Oder in Geschäften komme die Technologie zum Einsatz, um den Gesichtsausdrucks eines Kunden zu analysieren, während er durch die Regale geht. Eine Hand voll grosser Kaufhäuser versuchen dem Bericht zufolge bereits heute, mittels Kameras und Software das Alter, das Geschlecht oder die Stimmung von Kunden zu erkennen und ihnen so gezielte Werbung auf einem Display anzuzeigen.
 
Die wachsende Skepsis gegenüber der Technologie, so 'AP', müsse also nicht überraschen. Der Backlash – eine Gegenreaktion – zeichne sich bereits seit Längerem ab. Skeptiker befürchten, dass Menschen eines Tages nicht mehr in den Park oder ein Geschäft gehen können, ohne identifiziert und virtuell verfolgt zu werden.
 
Der Gesetzentwurf wurde vergangene Woche in einer Komitee-Abstimmung verabschiedet und wird am 14. Mai zur Schlussabstimmung das "San Francisco Board of Supervisors", dem gesetzgebende Organ innerhalb der Stadtregierung, weitergeleitet. Die Verordnung "Stop Secret Surveillance" würde Regierungsbehörden, einschliesslich der Polizei, daran hindern, die Gesichtserkennung bei der Strafverfolgung einzusetzen. Damit sollen Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit der Technologie adressiert und der schleichenden Überwachungskultur ein Ende gesetzt werden, sagte Aaron Peskin, der die Verordnung einführte, laut 'The Guardian'.
 
Der Vorschlag ist laut 'Wired' Teil eines Gesetzespakets mit dem Ziel Überwachungsmassnahmen besser zu kontrollieren. Etwa sollen sich Behörden künftig genauer rechtfertigen, wenn sie neue Überwachungstechnologien beschaffen und einsetzen wollen – inklusive welche Schäden die Technologie potenziell verursachen könnte. Ausserdem soll jährlich rapportiert werden, wie die Technologien eingesetzt werden, ob es Beschwerden gab und mit wem die Stadt die Daten teilte, schreibt 'Wired' weiter.
 
Ähnliche Vorschläge wie in San Francisco seien auch in weiteren Städten hängig. Ein Verbot der Technologie in San Francisco könnte eine Warnung an Behörden senden, die versucht seien, unvollkommene Technologie zu testen und hätte wohl grosse symbolische Wirkung, zitiert die Nachrichtenagentur Alvaro Bedoya, Leiter des Zentrums für "Privacy and Technology" der Universität Georgetown. Allerdings glaubt eine andere Quelle der Agentur, dass der Gesetzesvorschlag zu weit gehe, um als Vorbild zu dienen. (kjo)