Facebook gründet Crypto-Tochter in Genf

Die Schweizer Facebook-Tochter Libra Networks soll dem Konzern beim Aufbau eines Zahlungssystems dienen.
 
Schon länger verdichten sich Berichte darüber, dass Facebook an einer eigenen Crypto-Währung arbeitet. Nun werden die Pläne des US-Unternehmens konkreter. Wie der 'Handelszeitung' aufgefallen ist, hat Facebook in der Schweiz ein neues Tochterunternehmen gegründet: Libra Networks mit Sitz in Genf.
 
Wie aus dem Handelsregistereintrag hervorgeht, bezweckt die Firma Dienstleistungen in den Bereichen Finanzen und Technologie sowie die Entwicklung von Software insbesondere im Zusammenhang mit Zahlungsverkehr und Finanzierung. Weiter genannt werden Identitätsmanagement und Blockchain – alles also, was für den Aufbau einer Kryptowährung nötig ist. Gegenüber der 'Handelszeitung' will sich Facebook nicht zu Libra und den Crypto-Plänen äussern.
 
Bei Libra Networks an Bord ist der Wirtschaftsprüfer BDO. Gleich zwei BDO-Geschäftsleitungsmitglieder sind als Zeichnungsberechtigte im Handelsregister eingetragen: René-Marc Blaser, Leiter der Regionaldirektion Westschweiz, und Dennis Boivin, Leiter Produktbereich Steuern & Recht. Als Muttergesellschaft von Libra eingetragen ist Facebook Global Holdings II in Irland. BDO war bereits involviert, als Facebook 2013 hierzulande eine Marketing-Organisation aufbaute.
 
Der 'Handelszeitung' ist noch ein weiteres Detail aufgefallen: Als sich Facebook 2016 in Zürich niederliess, um ein Computer-Vision-Team aufzubauen, mietete sich der Konzern zunächst beim Bürovermieter Regus ein. Nachdem das Zürcher Team gewachsen ist, suchte die Firma neue Räumlichkeiten in Zürich. Und auch in Genf habe sich Facebook bei Regus eingemietet. Bis anhin scheint Facebook keine Stellen für das neue Genfer-Team ausgeschrieben zu haben; für den Computer-Vision-Standort in Zürich hingegen sucht der Konzern eine Reihe von Leuten.
 
Früheren Berichten zufolge soll die Facebook-Coin an den US-Dollar gebunden sein. Als sogenannter Stable Coin ist die virtuelle Währung damit nicht den Schwankungen anderer Kryptowährungen ausgesetzt. Jede der Facebook Coins soll einem Dollar entsprechen, der bei einem Finanzinstitut hinterlegt sei. Dem Zeitungsbericht zufolge plane das Unternehmen, zunächst eine Milliarde Coins in Umlauf zu bringen und Indien solle zuerst bedient werden.
 
Vorstellbar ist, dass sich Facebook-, Messenger- oder Whatsapp-Nutzer untereinander Geld senden können oder Shops die Facebook integriert, könnten die neue digitale Währung akzeptieren. Das chinesische Pendant Wechat macht es vor. Die Messenger wird für Zahlungen im E-Commerce oder auch im Restaurant genutzt. In Asien laufen gemäss Zahlen der Wirtschaftszeitung täglich über eine Milliarde Transaktionen über Wechat ab.
 
Facebook plant, die Messaging-Plattformen von Whatsapp, Messenger und Instagram zusammenführen. Dies würde die Reichweite einer Crypto-Währung erhöhen. Auch auf Instagram kann man sich einige Szenarien ausmalen, wie eine Facebook-eigene Kryptowährung gewinnbringend zum Einsatz kommen könnte. (kjo)