"Das klingt trivial, ist aber nicht trivial"

Mike Dargan, Sabine Keller-Busse, Axel Lehmann, Karin Oertli (v.l.)
UBS eröffnete ihre neue Digital Factory in Zürich und wollte aller Welt zeigen, dass man fit ist für die digitale Transformation.
 
Die zweite Zürcher "Digital Factory" der UBS hat ihren definitiven Standort gefunden. Sie ist vom Paradeplatz nach Zürich-West gezügelt, an die Hardturmstrasse und an dieselbe Hausnummer wie ein Coworking-Space, Dell EMC, VMware und Orange Business. Aus diesem Anlass lud die Grossbank zum Rundgang und gleichzeitiger Werkschau.
 
Die Kernbotschaften der UBS: Wir sind innovativer als man gemeinhin denkt, digitalisierter denn je, sowie in der Digital Factory weitgehend agil und äusserst kundenorientiert. Dies gelte auf allen Ebenen, wollte Axel Lehmann, President UBS Switzerland mit gleich drei weiteren Top-Kaderleuten beweisen.
 
"Hier wollen wir Innovationen auf den Boden bringen", sagte Sabine Keller-Busse, COO UBS Group, einleitend. Ein wichtiges Element sei, so die Zuständigen, eine "revolutionäre Form der Zusammenarbeit".
 
In der Praxis heisst dies, dass in der Digital Factory UBS-Mitarbeitende, vom Kundenberater über den Software-Entwickler bis zum Compliance-Experten projektbezogen zusammenarbeiten. 20 Fachrichtungen können permanent oder auch temporär eingebunden werden. So kann man für einige Monate in die Digital Factory wechseln, wenn das Know-how für die Produktentwicklung relevant ist, und nachher an den angestammten Arbeitsplatz zurückkehren.
 
Zudem will die UBS der Öffentlichkeit zeigen, dass zumindest in der Digital Factory "Wasserfall"-Entwicklung Geschichte ist und man agil arbeitet. Ja, "agil" ist gefühlt der am häufigsten fallende Begriff während der Eröffnung. Natürlich sind Scrum und Kanban neben flachen Hierarchien ein wichtiges Argument, wenn man jüngere Informatiker anlocken will, aber es gehe auch um die Kultur ausserhalb der Innovationslabors und Bank-Digitalisierungs-Hubs. Dabei soll eine "Agile Academy" helfen. Auf das Lohnmodell der Bank aber wirke sich Agile und interdisziplinäres Arbeiten nicht aus, antwortete Keller-Busse auf die entsprechende Frage.
 
Auch beim Einsatz von Tools sei die Grossbank an vorderster Front dabei, warb die UBS. Demonstriert wurde dies anhand einer cloudbasierten Suite, mit welcher man Mobile Apps und Web Apps remote mit richtigen Devices automatisiert testen kann. Auch ein Continuous Integration Tool erwähnte Mike Dargan, Global Head Information Technology, im Gespräch am Rande.
 
Tools hin, Methoden her. Grundsätzlich will UBS Prozesse optimieren, automatisieren und schneller werden. Und auch hier sei man auf dem richtigen, nämlich kundenfokussierten Weg. Als Beispiel soll eine Hypothekenverlängerung dienen: Innert zwei Tagen soll der UBS-Kunde künftig die Dokumente im Briefkasten finden, statt wie aktuell erst nach zehn oder mehr Tagen. Das bedeutet unter anderem, dass man bankintern redundante Daten eliminieren und eine heterogene Systemlandschaft ablösen muss. In 18 Monaten bringe man das Projekt von der Idee bis zum schweizweiten Rollout, sagte ein Involvierter stolz. Ein solches Vorhaben hätte ohne Agile und Digital Factory mindestens ein Jahr länger gedauert, schätzte er.
 
Ein gutes Beispiel für die Komplexität der Umsetzung von Digitalstrategien ist auch ein internes Vorhaben namens "Digital Mailroom": Hier will die Bank vom Scanning von Papierbergen über die Datenanreicherung der Scans bis zur Archivierung Medienbrüche vermeiden und den Prozess weitestgehend automatisieren. Hierzu müssen die Digital Factory, die IT und Group Operations zusammenarbeiten. "Das klingt trivial, ist aber nicht trivial", so Karin Oertli, COO UBS Switzerland.
 
500 Mitarbeitende unterschiedlichen Alters und Herkunft sind in der krawattenfreien neuen Zürcher Digital Factory tätig, Platz hat man für 600. Die UBS will dies auch als Bekenntnis zum Standort Schweiz verstanden wissen, der gleichzeitig international mit den anderen, ähnlichen Hubs der UBS verbunden ist. (mag)