Milliarden-RZ-Projekt des VBS hat massive Probleme

Wegen Verzögerungen um sechs Jahre besteht bis mindestens 2028 kein Vollschutz für die Daten der Armee.
 
Vor neun Jahren startet die Armee ein riesiges IT-Projekt: Drei RZs innerhalb eines Verbundes, zwei davon für rein militärische Zwecke mit entsprechendem Vollschutz, sollten realisiert werden. Die Kosten für "Fundament", "Kastro II" und "Campus" berechnete man damals auf 925 Millionen Franken. In den Jahren 2018 bis 2022 hätten die RZs in Betrieb genommen werden sollen. Noch vor einem Jahr hatte sich das VBS in einem "Projektbericht" dafür gelobt, dass alles voll unter Kontrolle sei.
 
Das gemischt genutzt RZ Campus scheint trotz einiger Mängel auf gutem Weg, wie die eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kürzlich in einem Bericht festhielt. Ganz anders sieht es aber bei den beiden rein militärischen RZs Fundament und Kastro II aus, wie Recherchen von 'SRF' nun ergeben haben. An beiden Standorten kämpft das VBS mit massiven Problemen.
 
Im RZ Fundament, das an einem geheimen Standort in eine bestehende Felskaverne gebaut wird, mussten Bodenplatten wegen Mängeln wieder herausgerissen werden. Zudem habe der Generalplaner "zu Unzeiten" sein Mandat niedergelegt, wie Thomas Süssli, Chef der Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB), gegenüber 'SRF' erklärte. Derzeit laufen offenbar zwei juristische Verfahren in der Angelegenheit. Man erwartet beim VBS, dass das Rechenzentrum erst Ende 2020 fertiggestellt wird – zwei Jahre später als geplant.
 
Bei Kastro II sind die Probleme offenbar noch gravierender: Im Juni letzten Jahres wurde bekannt, dass als Standort für das RZ auch das ehemalige Munitionslager Mitholz in Abklärung war. Seitens VBS wollte man aber den Standort nicht bestätigen. Nun ist klar: Das RZ hätte dort, wo 1947 grosse Explosionen die Erde erschüttert hatten, entstehen sollen. Mittlerweile wurde aber eine alte Risikoanalyse aktualisiert und befunden, dass die Gefahr einer neuerlichen Explosion zu gross ist.
 
"Man beginnt wieder von vorne", erklärte Süssli nun gegenüber 'SRF'. Man muss also einen neuen Standort eruieren. 2028 soll die Anlage frühestens in Betrieb genommen werden – also mit sechs Jahre Verspätung.
 
Bis dahin besteht kein Vollschutz für die Daten des VBS. Das heisst, dass im Falle einer Cyberattacke oder von längerem Strommangel Risiken bestehen. Die Politik hat sich der Sache mittlerweile angenommen, der RZ-Verbund soll sowohl bei der sicherheitspolitischen Kommission von Stände- und von Nationalrat Thema sein. (ts)