Helsana stellt IT-Systeme um und kündigt begrenzte Verfügbarkeit an

Die Krankenkasse erklärt, was sie vorhat und ob sie in die Cloud geht.
 
"Wir entwickeln uns für Sie weiter – auch bei der Software" ist ein im Mai versandter Brief von Helsana übertitelt. Der Brief kündigt an, dass zwischen 17. Juni und 5. Juli einige IT-basierte Dienstleistungen der Krankenkasse nur beschränkt verfügbar seien. Die Auszahlung von Leistungsabrechnungen verzögere sich, ebenso wie Prämienrechnungen, und der Versicherer könne auch keine Änderungen an den Kundendaten vornehmen.
 
Krank Geschriebene müssten je nach Einsendedatum ihrer Unterlagen auch bis Mitte Juli auf das Taggeld warten, so der Brief, der dem Gesundheits-Branchenportal 'Medinside' zuerst vorlag.
 
Woran arbeitet Helsana? An der Ablösung von Adcubum Syrius? Oder umgekehrt, kommt die Versicherungs-Software nun auch für Krankentaggeld und Unfall-Versicherung zum Einsatz? Zweiteres, bestätigt die Versicherungs-Sprecherin auf Anfrage. Damit laufe die Kern-IT vollständig auf Syrius. "Ja, wir wickeln unser Kerngeschäft mit der Branchen-Standardsoftware Syrius ab", sagt Dragana Glavic von Helsana.
 
Die Krankenkasse hat den Ärzten fast 20 Tage System-Unterbruch angekündigt. Das ist normal bei einer grossen Umstellung. Warum dauert es bei Helsana so lange? "Die Umstellung ist ein komplexes Verfahren, da es die Ablösung mehrerer Altsysteme bedingt. Während der Migration ist die Auskunftsfähigkeit jederzeit gewährleistet, da die Informationen bis zum Ablösezeitpunkt auf den Altsystemen verfügbar bleiben. Unsere Kunden haben seit April Kenntnis davon und Verständnis dafür. Helsana garantiert die Leistungsauszahlung innert der vertraglich definierten Frist von vier Wochen. Ausserdem können unsere Kunden jederzeit Mutationen melden, wir verarbeiten sie intern einmalig etwas verzögert, aber innerhalb der vertraglichen Fristen", erläutert die Sprecherin.
 
Es ersetzen auch andere Firmen ihre alten Kernsysteme durch neue. Aber diese tun dies nicht mit einem Unterbruch für Kunden oder Partner. Warum setzt Helsana nicht auf einen Parallel-Betrieb wie beispielsweise bei Banken üblich? "Für eine Einführung mit Parallelbetrieb hätten das Altsystem und die Standardsoftware angepasst werden müssen, was die Umsetzungsrisiken deutlich erhöht hätte. Wir sind nach der internen Prüfung zum Schluss gekommen, dass zwei Wochen Mutationsstopp zumutbar sind und für unsere Kunden keine bemerkenswerten Serviceeinbussen resultieren."
 
In anderen Worten, rund um den ersten Juli sind Unfälle seltener als in den Ski- oder Sommerferien.
 
Gab es Tests mit migrierten Daten? Wie verliefen diese konkreter? Die Helsana-Sprecherin antwortet: "Es erfolgten mehrere Testmigrationen aus den Legacy-Systemen zu Prüfung. Abschliessend wurde eine Produktionssimulation in der neuen Umgebung durchgeführt, welche erfolgreich verlief."
 
Nicht unwichtig bei einer Operation dieser Grösse, man darf laut einem Experten ein Prämienvolumen von mehreren Hundert Millionen annehmen, sind die Gründe für den Wechsel. Darum stellt sich die Frage: Was sind die wesentlichen neuen Funktionalitäten der neuen IT-Lösung? "Das neue System bietet bessere Automatisierungsmöglichkeiten, z.B. in der Leistungsverarbeitung. Mit der Standardsoftware erhalten wir auch eine modernere und für die Sachbearbeitenden einfachere Benutzungsoberfläche. Auch profitieren wir von den langfristig wachsenden Funktionalitäten der Standardsoftware."
 
Am ersten Juli wird laut dem Brief die neue Lösung gelauncht.
 
Zum Schluss die Standardfrage bei Versicherungen: Werden die neuen Helsana-Systeme in der Cloud betrieben, falls ja: Public Cloud oder Private Cloud? "Nein, es handelt sich um klassisches Outsourcing. Das neue System wird im Rechenzentrum unseres Umsetzungspartners Centris AG betrieben", sagt Glavic. (mag)