Gewerkschaft fordert Förderung von Frauen im MINT-Bereich

Frauen aus der ICT-Branche berichten in einer Umfrage von Syndicom von der Lohnschere, gläserner Decke und sexueller Belästigung.
 
Die Gewerkschaft Syndicom setze sich seit Jahren für die Gleichstellung von Frau und Mann ein und hat den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 zum Anlass genommen, sich unter den Mitarbeitenden von Swisscom und anderen ICT-Unternehmen zum Thema Gleichstellung umzuhören. Dabei ging es insbesondere darum, wo denn die zentralen Problemstellungen bei der Gleichstellung liegen.
 
Frauen sind in MINT-Berufen und der ICT-Branche untervertreten, was auch in Unternehmen wie Swisscom spürbar sei. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel, der in der ICT-Branche herrsche, fordert die Gewerkschaft Unternehmen und Bund auf, Frauen aktiv zu fördern. Dies beinhalte Investitionen in Aus- und Weiterbildung für alle Mitarbeitenden sowie in den Werkplatz Schweiz. Der Bund wird von Syndicom aufgefordert, Begleitmassnahmen zu ergreifen und einen Fonds zu gründen, um Frauen in MINT-Fächern stärker zu fördern.
 
Ebenso wichtig für die Gleichstellung in den Unternehmen seien Arbeitszeitmodelle, die der steigenden Produktivität sowie dem Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung tragen können. "Es ist ein Armutszeugnis, wenn Stellen ins Ausland verlagert werden, nur weil das Know-how in der Schweiz nicht ausreichend vorhanden ist", schreibt die Gewerkschaft.
 
Lohnungleichheit und gläserne Decke
Die Mehrheit der von Syndicom befragten ICT-Mitarbeitenden sieht die Lohngleichheit in ihrem Betrieb als nicht erreicht. 30 Prozent gaben gar an, dass eine starke Ungleichheit herrsche. Auch vor der gläsernen Decke sei die ICT-Branche nicht verschont. 55 Prozent der Umfrageteilnehmer nehmen in ihrem Betrieb den Effekt der gläsernen Decke wahr, wobei die Mehrheit diese als störend empfindet, so die weiteren Ergebnisse der Syndicom-Befragung. Die Gewerkschaft fordert deshalb transparente Lohnsysteme. Vorlagen auf Gesetzesebene würden ihre Wirkung mit Blick auf echte Lohngleichheit verfehlen. Mit Gesamtarbeitsverträgen, so die Gewerkschaft, würden sich Fortschritte erzielen lassen.
 
Ein erschreckendes Resultat, so die Gewerkschaft, zeichne sich bei der Frage nach Belästigungen am Arbeitsplatz ab. Über 45 Prozent geben an, schon einmal sexuelle Belästigung erlebt oder beobachtet zu haben. Bei den Frauen seien es sogar fast 60 Prozent. Dies zeige, dass eine Ombudsstelle allein oft nicht ausreiche. Es brauche interne Schulungen zum Thema, um Teamleader und die Belegschaft entsprechend zu sensibilisieren.
 
Die Umfrage wurde von Syndicom im März online durchgeführt. Daran beteiligt haben sich 400 Arbeitnehmende aus der ICT-Branche, davon knapp 80 Prozent Frauen. (kjo)