U-Blox: "Wir können wirklich die Probleme der IoT-Welt lösen."

Der Schweizer Halbleiter-Hersteller lanciert neue Module für vernetzte Geräte. Und will auch mit Services Geld verdienen.
 
Der Thalwiler Hersteller U-Blox lanciert mit Sara-R5 eine Serie neuer Mobilfunkmodule. Sie laufen auf dem heutigen Mobilfunkstandard 4G / LTE, sind aber auch 5G-ready und basieren auf dem von U-Blox entwickelten Chipset UBX-R5. Die Module sollen künftig für die Vernetzung von Maschinen und Waren eingesetzt werden.
 
Sie böten eine robuste und sichere Kommunikation vom Chip bis zur Cloud, verspricht U-Blox. Damit seien sie ideal für den Schutz sensibler Datenströme bei Anwendungen im IoT-Bereich geeignet. Dazu zählen das Flottenmanagement, vernetzte Industrieroboter oder das Nachverfolgen von Warencontainern. Auch in Sport- und Gesundheitstrackern oder Überwachungssensoren könnten sie eingesetzt werden, die heute auf den alten Mobilfunktechniken 2G und 3G laufen.
 
Die Zahlen, die U-Blox-Chef Thomas Seiler heute präsentiert, lassen die Perspektive des Thalwiler Unternehmens erahnen: Bis 2023 sollen 246 Millionen vernetzte Fahrzeuge, 500 Millionen Sport- und Fitness-Tracker, eine Milliarde Smart Meter und zwei Milliarden vernetzte Industrie-Devices ausgeliefert werden, rechnet er vor.
 
Die Einnahmen werden erst in zwei Jahren deutlich
Der grosse Konkurrent ist Chip-seitig vor allem Qualcomm und bei den Anbietern von Modulen dürfte man Gemalto kennen. Wie viel Umsatz die neuen Chips und Module einbringen sollen, will Seiler auf Nachfrage nicht beziffern. Man sieht sich bei U-Blox aber gut aufgestellt. Andreas Thiel, Leiter Product Center, erklärt mit Verweis auf die hausinternen Kompetenzen: "Wir können wirklich die Probleme der IoT-Welt lösen."
 
Muster der Sara-R5-Module sollen im vierten Quartal erhältlich sein. Normalerweise dauere es ein bis zwei Jahre, bis die Kunden diese in ihre eigenen Produktzyklen einfliessen lassen würden, sagt CEO Seiler: Das müsse man berücksichtigen bei der Frage, wann sich diese neuen Produkte bei den Einnahmen von U-Blox niederschlagen würden.
 
Geld verdienen will man mit dem Verkauf von Modulen sowie Add-ons, aber auch mit Service-Angeboten, etwa im Security Bereich. Hier rechnet man in Thalwil mit wiederkehrenden Einnahmen und hofft auf "ziemlich viel extra value", wie Seiler sagt, schliesslich seien die Geräte extrem langlebig.
 
Die grossen Themen: Security, Langlebigkeit, Stromverbrauch
Bei der IoT-Sicherheit arbeitet U-Blox seit gut einem Jahr mit dem Kudelski zusammen. "Wir etablieren in jedem Modul eine unveränderliche Identität und schaffen dadurch die Grundlage für einen zuverlässigen Schutz des Geräts, der Daten, der Entscheidungen, der Befehle und der Aktionen", wird Jean-Michel Puiatti, IoT Security-Manager bei Kudelski, in einem Communiqué zitiert.
 
Security ist ein grosses Thema an der Präsentation der neuen Module, wenig erstaunlich, angesichts der alarmierenden News aus dem Bereich der IoT-Sicherheit. Ebenfalls viel Gewicht legt U-Blox auf die Langlebigkeit, den geringen Stromverbrauch sowie die hauseigenen Serviceleistungen. "Wir offerieren eine komplette Geschichte, in der sich die Kunden für das gesamte Leben des Produkts auf uns verlassen können", versichert ETH-Ingenieur Thiel. Rund zehn Jahre sollen die Module überdauern.
 
Die technischen Details
Die Module Sara-R5 basieren auf dem Mobilfunk-Chipset UBX-R5 und dem Satellitennavigations-Empfangschip U-Blox M8. Sara-R5 gibt es in zwei Varianten. Die eine hat einen Navigationsempfänger, wofür sie für Autos, Flottenmanagement oder Warenverfolgung verwendet werden kann. Die andere Variante ist auf minimalen Stromverbrauch ausgelegt. Damit sei dieses Modul ideal für Messdatenerfassung, Sicherheits- und Überwachungsanwendungen oder in der vernetzten Stadt, hiess es.
 
Verwendet wird bei den neuen Modulen der für Maschinen ausgelegte Standard LTE-M und die Schmalband-Technik (NB-IoT), die spezielle Erweiterungen des LTE-Netzes für Dinge sind. NB-IoT ist für eine sehr grosse Anzahl an stationären Geräten auf engem Raum geeignet. Verwendet wird NB-IoT beispielsweise für vernetzte Strom- oder Wasserzähler.
 
LTE-M bietet einen höheren Datendurchsatz als NB-IoT bei einem immer noch geringen Stromverbrauch. Zum Einsatz kommt LTE-M beispielsweise bei Notruftasten in Aufzügen oder Notrufarmbanduhren.
 
Auf 5G aufgerüstet werden könnten die Module mittels eines Software-Upgrades. Damit seien sie zukunftssicher, so Seiler. Mit 5G könnten zusätzliche Funktionen eingeführt werden. Diese würden aber vom jeweiligen Mobilfunknetz abhängen. (ts/Keystone-sda)