Dropbox will nun der Office-Ersatz werden

"Dropbox erfindet sich neu", will die Firma in einer Medienmitteilung festgehalten haben. Gemeint ist damit, dass aus dem heute simplen Speicherdienst ein komplexer "Digitalschreibtisch" werden soll.
 
Dropbox will sich zum innovativen Ersatz für teure Office-Pakete mausern. Das Startup greift damit direkt Microsoft, aber auch Google Docs an.
 
Nach dem Versprechen der Dropbox-Manager soll künftig nicht mehr der halbe Arbeitstag damit verloren gehen, benötigte Dateien, Excel-Tabellen oder Präsentationen und Informationen in irgendwelchen Archiven oder Ordnern in der Cloud, auf Festplatten oder SD-Karten zu finden, diese mit den gewünschten Empfängern per E-Mail, Messenger oder Chatdienst zu teilen und dann zu kontrollieren, ob die Arbeiten auch erledigt worden sind.
 
Stattdessen könne man Google Docs, Tabellen und Folien in Dropbox erstellen, editieren und diese freigeben. "Sie haben zusätzlich die Wahl, Microsoft-Office-Dateien in Office Online oder Google Docs zu öffnen", meldet die Firma.
 
Auch sollen Verknüpfungen zu Trello oder Wikipedia möglich sein. Gleichzeitig will Dropbox dabei helfen, die verschiedenen Kommunikationswege im Auge zu behalten, wie beispielsweise Slack oder Skype. "Die Überflutung mit Cloud-Dateien und verschiedensten Arbeits-Apps kann dazu führen, dass die tägliche Arbeit heute zuweilen anmutet wie der Versuch, nicht unterzugehen", fasst IDC-Analyst Marci Maddox in der Medienmitteilung den Alltag vieler Bürokräfte zusammen. Dieser Gedanke begründet denn auch die Dropbox-Strategie.
 
Dropbox hat auch mit dem Jira- und Confluence-Anbieter Atlassian eine Zusammenarbeit vereinbart, die in wenigen Monaten stehen soll. Geplant ist eine tiefe Integration, somit lassen sich dann aus Dropbox heraus komplexe Projekte von der Pike auf planen, anlegen, umsetzen und überwachen.
 
Vollständig überarbeitet wird die Desktop-App von Dropbox, die derzeit in einer Vorabversion heruntergeladen werden kann. In Ordnern zusammengefasste Dateien, so das Versprechen, lassen sich jetzt besonders markieren, damit wichtige Informationen sofort gesehen werden. Kommentare in einer Word-Datei erscheinen am "Schreibtischrand", ohne dass die Datei geöffnet werden muss. Im Zweifel kann auch sofort geantwortet werden, ohne die Datei zu öffnen.
 
Dropbox versucht mit diesem neuen Ansatz als Meta-Plattform die Flucht nach vorne, weg vom reinen Speicherdienst, der kostenlos Accounts in bezahlte umwandeln will. Aber die "klassische Version" bleibt bestehen, erst kürzlich hat Dropbox bei der bezahlten Version den Speicherplatz erhöht und die Preise.
 
Der Hintergrund: Die Firma muss einen nachhaltigen Weg für Wachstum und Profitabilität finden. Im ersten Quartal 2019 lag der Nettoverlust trotz hohen Wachstums noch immer bei 7,7 Millionen Dollar. Der Aktienkurs hat eine wilde Achterbahnfahrt hinter sich und ist nach kurzem Höhenflug wieder praktisch auf dem Stand der Erstnotierung angekommen. (mag mit Material von Keystone-sda)