Deep-Fake-Video mit Zuckerberg publiziert

Das Deep-Fake-Video mit Mark Zuckerberg wurde auf Instagram publiziert.
Mehrere Deep-Fakes mit Promis auf Instagram sollen auf die Macht der Daten­sammler aufmerksam machen.
 
Nachdem kürzlich ein Deep-Fake-Video mit der US-Politikerin Nancy Pelosi, das auf Facebook veröffentlicht wurde, für Aufsehen sorgte, hat es nun Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbst erwischt: Auf Instagram, einer Facebook-Tochter, wurde ein manipuliertes Video mit dem Facebook-Chef publiziert.
 
Es zeigt ein computergeneriertes, animiertes Bild des Gesichts des Geschäftsführers, das mit Filmmaterial seines Körpers aus einer Videopräsentation aus dem Jahr 2017 in einem Büro der Zentrale im Silicon Valley verschmolzen wurde, fasst 'The Guardian' zusammen. Die mit dem Bild synchronisierte Audioaufnahme stammt von einem Schauspieler. Wer die Original-Stimme von Zuckerberg kennt, wird aufgrund des Audios, respektive der Stimme des Schauspielers, wohl etwas stutzig was die Echtheit anbelangt. Auch sind Audio und Video nicht perfekt synchronisiert.
 
Nach der Publikation des gefälschten Pelosi-Videos gab Facebook bekannt, dass das Deep-Fake-Video, das die Politikerin erscheinen lässt, als wäre sie betrunken, nicht von der Plattform gelöscht werde. Facebook aber gab bekannt, dass man die Sichtbarkeit des Videos im Newsfeed reduziere. Für den Schritt, das Video nicht zu löschen, wurde Facebook kritisiert.
 
Der US-Konzern liess mittlerweile verlauten, das Zuckerberg-Video nicht von Instagram gelöscht werde. Man werde den Clip behandeln, "wie wir alle Fehlinformationen auf Instagram behandeln", zitiert 'BBC' ein Facebook-Sprecher. "Wenn Fact-Checker von Drittanbietern es als gefälscht markieren, werden wir es von Instagrams Empfehlungs-Sites wie Explore- und Hashtag-Seiten filtern."
 
Hätte sich Facebook dafür entschieden, das Zuckerberg-Video zu blockieren, hätte das Unternehmen mit Vorwürfen der Heuchelei konfrontiert werden können. Das Problem von Deep-Fake-Videos war auch Thema an der Shift-Konferenz vor einigen Wochen in Zürich. Markus Gross, Director Disney Research Zurich, sagte, dass der Mensch Fälschungen wohl bald nicht mehr mit blossem Auge als solche erkennen könne, aber eine KI schon. Dabei zog Gross eine Parallele zu IT-Sicherheit und Antivirenprogramme. Facebook forscht an Technologien, um Fälschungen identifizieren zu können.
 
Der US-Konzern gab eben auch bekannt, die Forschung in diesem Bereich zu intensivieren. In London will Facebook 500 zusätzliche Stellen schaffen. Ein Teil dieser neuen Mitarbeitenden sollen an einer auf Machine-Learning-basierten Software arbeiten, die automatisch bösartige und verbotene Inhalte, die auf Facebook-Plattformen veröffentlicht wurden, erkennen soll.
 
Zuckerberg, Kardashian und Trump
Das Deep-Fake-Video zeigt den Facebook-Chef, wie er der Organisation "Spectre" für seinen Erfolg zu danken scheint. "Stell dir das für eine Sekunde vor: Ein Mann, der die totale Kontrolle über Milliarden gestohlener Daten von Menschen hat, all ihre Geheimnisse, ihr Leben, ihre Zukunft." Dies sagt aber nicht Zuckerberg selbst, denn das Video wurde für eine Kunstinstallation namens "Spectre" in Sheffield gemeinsam mit mehreren AI-Startups erstellt. Mit dem Projekt soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie Menschen unter anderem im Blick auf die Cambridge-Analytica-Affäre über Social Media überwacht und manipuliert werden können.
 
Die beteiligten Künstler sagten 'BBC', sie begrüssten den Entscheid von Facebook, das Video nicht zu löschen, stellten aber dennoch die Ethik des Unternehmens in Frage. Sie wünschten sich ausserdem eine "sinnvolle Regulierung und Aufsicht der Einflüsse aus der digitalen Welt", wie es weiter heisst.
 
Weitere gefälschte Videos der Künstler gibt es mit Kim Kardashian und Donald Trump, die der ominösen Organisation und User-Daten für ihre Macht, ihren Einfluss und ihr Vermögen danken. Immerhin fügt ein gefakter Morgan Freeman an: "Stell dir all diese Daten vor, die ohne Kontrolle oder Zustimmung genommen wurden. Spectre ist fast zu mächtig, um es zu verstehen." Dennoch müssten wir unsere Daten immer und überall hergeben, um die Götter des Tales lächeln zu lassen. (kjo)