V-Zug leidet unter SAP-Projekt

Mehrkosten, Verzögerungen, verlorene Aufträge – nach der SAP-Einführung hat es "gewaltig gerumpelt". Eine Gewinnwarnung lässt den Aktienkurs der Mutterfirma abstürzen.
 
Metall Zug hat vor einer guten Woche eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Eine Gebäudesanierung und Probleme bei der Einführung des ERP-Systems bei der Tochtergesellschaft V-Zug führten zu Mehrkosten. "Anhaltende Kosten und Ertragsausfälle im Zusammenhang mit der Einführung von SAP" würden die Bilanz belasten, schreibt Metall Zug in einer Gewinnwarnung. Diese lässt den Aktienkurs zunächst um 13,81 Prozent einbrechen. Das Unternehmen erwartet für das erste Halbjahr 2019 "ein Betriebsergebnis (EBIT) in der Grössenordnung von 0 Millionen Franken gegenüber 36,4 Millionen Franken in der Vergleichsperiode im Vorjahr."
 
Die Zusatzkosten im Zusammenhang mit dem SAP-Projekt hätten einerseits mit Mehrkosten zu tun, die für nachträgliche Arbeiten anfallen und für zusätzliche Mitarbeitende benötigt werden. Andererseits habe die Servicequalität bei V-Zug gelitten und die Kunden hätten Verzögerungen in Kauf nehmen müssen. Dies habe teilweise zum Verlust von Aufträgen geführt, erklärt die Firma. Insgesamt würden die Rückstellungen für die Sanierungen sowie die Mehrkosten bei der SAP-Einführungen das Betriebsergebnis mit 14 Millionen Franken belasten, teilte Metall Zug mit. Wieviel davon konkret auf das SAP-Projekt entfallen, will der Konzern auf Anfrage von inside-it.ch nicht kommunizieren.
 
Prozesse müssen optimiert werden
Die anhaltenden Probleme mit dem SAP-System hängen unter anderem damit zusammen, dass das Projekt bei der Vorbereitung unterschätzt worden sei, so das Unternehmen auf Anfrage. Die Parametrisierung, Implementierung und auch die Anbindung der Umsysteme sei aufwändiger als zunächst angenommen. Die Einbindung der Lagersteuerung in S/4HANA mit eEWM habe sich in der Version 1709 sehr schwierig gestaltet. In neueren Releases wurde die Integration verbessert. Mittlerweile aber würde grundsätzlich alles funktionieren. Allerdings seien Prozesse teilweise noch umständlich.
 
"Wie bei jeder SAP-Einführung hat es ein paar Monate nach Go-Live gewaltig gerumpelt. Da sich S/4HANA und eEWM im eingesetzten Release 1709 nicht mit unserer Lagersteuerung vertragen haben, war dies noch etwas mehr als üblich der Fall. Mittlerweile konnten wir die Schnittstellen stabilisieren und arbeiten konzentriert an den Optimierungen unserer Prozesse", sagt Jean-Claude Flury, neuer Head of IT bei V-Zug, auf Anfrage.
 
Mit dem ERP der Walldorfer wurde bei V-Zug IFS abgelöst. Für die SAP-Einführung hatte V-Zug die Partner Itelligence und Oneresource herbeigezogen.
 
Das SAP-System, das rund 600 aktive User zähle, laufe seit einiger Zeit stabil, sagt uns das Unternehmen nun. Derzeit arbeite man bei V-Zug daran, die noch vorhandenen Mängel zu beheben und die Prozesse zu optimieren. Wann genau alle Mängel behoben sein werden, will das Unternehmen nicht kommunizieren. Aber man habe eng geführte Projekte, die jeweils kontrolliert werden.
 
Da es sich bei S/4HANA noch um ein neueres Produkt handelt, gebe es im Beratermarkt entsprechend wenig Erfahrung, was Greenfield-Einführungen betrifft, so Christof Gassner, Head of Corporate Communications. Falsche Konzepte für die Datenbank- und Applikationsoptimierung sowie Einstellungen aus der alten SAP R/3 Welt hätten den stabilen Betrieb anfangs stark behindert. (kjo)