Was Libra besser machen will

Libra ist nicht "noch eine Kryptowährung", versprechen die Initianten. Was unterscheidet Libra technologisch?
 
Ist es ein "Big Bang", der die Finanzwelt weltweit verändern wird? Facebook hat gestern die Kryptowährung Libra vorgestellt. Als Dachorganisation agiert die gleichbenannte Stiftung Libra mit Sitz in Genf. Visa, MasterCard, eBay, Uber und weitere rund zwei dutzend Firmen gehören zu den Gründungsmitgliedern. Mit der Unterstützung von etablierten Firmen und Milliarden von Facebook-Usern weltweit hat Libra durchaus Potenzial.
 
So gibt es auch eine Vielzahl positiver Reaktionen auf die Lancierung von Libra. Der auf Crypto-Themen spezialisierte Journalist Joseph Young schreibt auf Twitter, er sei vom Libra-Partnernetzwerk "beeindruckt". Und der CTO des Wallet-Entwicklers Pavol Rusnak bekennt sich als "Libra-Fan". Das Projekt habe "das Potenzial Ripple, Stellar, Ethereum, Stable-Coins etc abzulösen, meldet er auf Twitter.
 
Durchforstet man Twitter und Artikel auf spezialisierten Online-Magazinen nach den Reaktionen auf Libra werden die üblichen Vorteile von Crypto-Währungen genannt. Aber wie will Libra die typischen Probleme von Kryptowährungen umgehen, etwa die Kursschwankungen und den grossen Energieverbrauch, der bei Bitcoin häufig kritisiert wird?
 
"Arbeit vs. "Anteil"
Das Energieproblem von Bitcoin entsteht durch die Art, wie Transaktionen verarbeitet werden, genannt "Proof of Work". Miner lassen ihre Rechner komplexe Rätsel lösen, bevor sie eine Transaktion verarbeiten. Die Blockchain, die alle Transaktionen protokolliert, erfordert die Bestätigung des Netzwerks, dass das Puzzle gelöst wurde und die Transaktion gültig ist, bevor sie in die Chain aufgenommen wird. Die Miner erhalten als Belohnung ein Bruchteil einer Bitcoin. Diese Methode schützt vor einer Zentralisierung und damit vor Betrug, da es für eine Gruppe sehr schwierig ist die Mehrheit der Rechenleistung zu erlangen. Gleichzeitig aber wird diese Methode wegen des hohen Energieverbrauchs angegriffen. Der Forscher Alex de Vries behauptete laut 'Inverse.com', dass eine Bitcoin-Transaktion über 700 Kilowatt pro Zahlung verbraucht.
 
Im Gegensatz dazu will Libra auf eine alternative Verifizierung setzen, genannt "Proof of Stake". Dabei basiere die Sicherheit des Netzwerkes auf ökonomischen Anreizen der Block-Validatoren, auch "Staker" genannt. Ein Staker habe ein Interesse an der Integrität der Transaktionen, da er einen bestimmten Betrag des nativen, digitalen Assets der Blockchain als Kollateral hinterlegen muss, fasst 'BTC-Echo' zusammen. Würde der Validator das Netzwerk angreifen, würde er sein Stake verlieren. Daher verhalten sich die Staker – zumindest in der Theorie – ehrlich.
 
Jeder soll Libra-Wallets programmieren können
Einige weitere technische Details hat 'binance.com' zusammengetragen: Transaktionen werden durch den Byzantine Fault Tolerant (BFT)-Algorithmus bestätigt. Dadurch falle nicht nur das energieaufwändige Mining weg, die Methode habe auch den Vorteil, dass ein BFT-System auch dann weiterarbeiten könne, wenn einige der Knoten ausfallen oder böswillig handeln. Der Konsens-Algorithmus mit dem Namen LibraBFT ist gemäss 'Binance' eine Variante des HotStuff-Frameworks2, das 2018 von Forschenden von VMware Research veröffentlicht wurde. Dieses Framework könne eine künftige Interoperabilität mit anderen Chains ermöglichen, die auf dem BFT-Konsens basieren.
 
Derzeit existiere Libras Blockchain als Open-Source-Prototyp, genannt Libra Core. Entwickelt wurde sie mit einer neuen Programmiersprache namens Move, die Konzepte von Rust und C++ übernimmt. Die Sprache eigne sich auch für das Erstellen von Smart Contracts. Die Libra Association werde nun die Weiterentwicklung der Move-Programmiersprache vorantreiben, um es Drittparteien zu ermöglichen Smart Contracts zu erstellen. Die Association werde umfangreiche Tests der Blockchain und des Protokolls durchführen und dabei auch mit Drittanbietern zusammenarbeiten. Damit solle etwa sichergestellt werden, dass auch Drittanbieter Wallets für Libra erstellen können, so das White Paper.
 
Zum Start bleibt das Netzwerk geschlossen
Zum Start wird die Blockchain von den Libra-Association-Mitgliedern geführt. 33 ausgesuchte Node-Betreiber werden die Transaktionen bestätigen, womit es sich – zumindest vorerst – um eine "permissioned Blockchain" handelt. Später soll es möglich sein, dass jeder, der gewisse technische Voraussetzungen erfüllt, einen Node betreiben kann. Das Ziel ist es also ein "permissionless"-System aufzubauen.
 
"Um sicherzustellen, dass Libra wirklich offen ist und immer im besten Interesse seiner Nutzer arbeitet, ist es unser Ziel, das Libra-Netzwerk 'permissionless' werden zu lassen. Die Herausforderung besteht darin, dass wir bis heute nicht glauben, dass es eine bewährte Lösung gibt, die den Umfang, die Stabilität und die Sicherheit bietet, die erforderlich sind, um Milliarden von Menschen und Transaktionen auf der ganzen Welt über ein 'permissionless' Netzwerk zu unterstützen" heisst es im White Paper von Facebook.
 
An "echte" Werte gebunden
Bestehende Kryptowährungen sind nicht an physische Vermögenswerte gebunden. Damit schwankt der Kurs stark, wie bei Bitcoin immer wieder zu sehen ist. Libra hingegen soll zu 100 Prozent durch Vermögenswerte gesichert werden. Jede Libra-Einheit wird durch entsprechende Bankeinlagen und kurzfristigen Staatsanleihen in verschiedenen Währungen gesichert. Dies soll den Kurs stabil machen und durch die Sammlung internationaler Währungen und Vermögenswerte soll der Libra-Kurs auch nicht der Politik eines Landes ausgesetzt sein. Vor der offiziellen Lancierung von Libra hiess es, Facebook plane eine an den Dollar gebundene Stable Coin.
 
"Libra ist als stabile digitale Kryptowährung konzipiert, die vollständig durch eine Reserve realer Assets – die Libra Reserve – gestützt wird und von einem wettbewerbsfähigen Netzwerk von Börsen unterstützt wird, die Libra kaufen und verkaufen. Das bedeutet, dass jeder mit Libra ein hohes Mass an Sicherheit hat, dass er seine digitale Währung auf der Grundlage eines Wechselkurses in die lokale Fiat-Währung wechseln kann, genau wie man auf Reisen eine Währung gegen eine andere tauschen kann", so das White Paper der Libra Association weiter. (Katharina Jochum)