Blockchain, Privacy, Philantropie? Libra auf dem Prüfstand

Anfang Woche hat Facebook seine "Kryptowährung" Libra vorgestellt, gewichtige Partner genannt und dabei gleich versprochen, dass man den armen, vom Finanzsystem ausgeschlossenen Menschen helfen wolle. Mittlerweile wurden einige der Versprechungen von Zuckerbergs Konzern geprüft.
 
Zu Reden gaben der Datenschutz und die Privatsphäre der Kunden. Nicht nur, weil es um Facebook mit seinen diversen Skandalen geht, sondern auch, weil die Transaktion von Geld reguliert werden muss. Die USA haben bereits reagiert: David Marcus, der Chef von Facebooks Projekt Libra, wird am 16. Juli vor dem Bankenausschuss des US-Senats aussagen müssen, wie 'Reuters' mutmasst.
 
'Financial Times Alpahville', ein Service der renommierten Wirtschaftszeitung mit Kommentaren für Finanzprofis, hat unter dem Titel "Breaking the Zuck Buck" eine Reihe von Artikeln veröffentlicht. Der Tenor ist deutlich, die Vorwürfe happig: Das ganze Ding sei "unsinnig, sinnlos, dumm, riskant, schlecht durchdacht und habe nichts mit einer Blockchain zu tun", schreiben die Autoren.
 
Eine zentralistische Blockchain?
Libra muss primär als ein Mitbewerber von Payment-Diensten wie Paypal verstanden werden. Global konkurriert es mit dem chinesischen Payment-Giganten WeChat. Die Dienste nutzen keine Blockchain. Warum also Facebook? Dies fragt die 'Financial Times' (FT) und verweist auf eine Stelle im Whitepaper zu Libra.
 
Dort heisst es: "Anders als frühere Blockchains, die als Sammlung von Transaktionsblöcken angelegt sind, ist die Libra Blockchain eine einzelne Datenstruktur, die den Verlauf der Transaktionen und Zustände im Laufe der Zeit aufzeichnet." An anderer Stelle in den technischen Beschreibungen der Libra Blockchain heisst es dann aber: "Jeder Block in der Blockchain besteht aus einer Reihe von Transaktionen, die von den Teilnehmern über ein Konsensusprotokoll vereinbart werden."
 
Die 'FT' hält das für widersprüchlich und schreibt, dass zwar viel über dezentrale Strukturen gesprochen werde, aber die Blockchain effektiv zentral von den Gründern des Libra-Netzwerks gesteuert sei. Auf Twitter nennen indes verschiedene Blockchain-Kenner Libra ein "zentralisiertes und verwaltetes Projekt".
 
Fakt ist, die Transaktionen werden vorerst von einer Gruppe von "Validatoren" abgewickelt, die derzeit nur die Mitglieder der Libra Association umfasst. Die Macher wollen diesen Kreis aber sukzessive ausdehnen, wie sie beteuern. Dann könnte es zu einer tatsächlichen Dezentralisierung kommen, mutmasst 'Wired'. Hält aber im konjunktiv fest: "Es ­könnte".
 
Handelt es sich um einen PR-Trick?
Das Tech-Magazin hat die Akquisition des Londoner Blockchain-Startup Chainspace beobachtet, das von Facebook im Februar gekauft wurde. Vorrangig sei es um menschliches Know-How gegangen, drei der Mitarbeiter wurden dann auch im aktuellen Whitepaper zu Libra genannt. Von der Technologie fehle aber (fast) jede Spur, so 'Wired'. Diese sei tatsächlich für die denzentralen Strukturen einer Blockchain konzipiert und könnten allenfalls erst zum Einsatz kommen, wenn Libra weiter geöffnet werde.
 
Die 'Financial Times'-Kommentatoren vermuten einen PR-Stunt bei der Benutzung des Begriffs Blockchain, auch um den Regulatoren – mit dem Verweis auf die dezentrale Struktur – ein Schnippchen zu schlagen. Ein weiteres Indiz dafür sei die angedachte Archivierung von Daten, um Platz zu sparen und das System effizienter zu machen. Dem Anspruch der Unveränderlichkeit, zentral für den Blockchain-Ansatz, widerspreche dies schliesslich fundamental. (ts)