Accenture an Banken: Digital First oder Untergang! Oder?

Rund eine Billion Dollar sollen Retail- und Geschäftsbanken in den letzten drei Jahren für die IT ausgegeben haben. Etwa ein Drittel davon soll in Neuinvestitionen geflossen sein und nicht mehr in den reinen Unterhalt, ein beträchtlicher Teil für zukunftsträchtige Technologien wie Cloud oder KI. Dies hat Accenture berechnet und stellt vielen den Banken zugleich schlechte Noten aus: Wesentlich mehr als die Hälfte der Institute sollte sich laut den Beratern Sorgen um die (digitale) Zukunft machen.
 
Nur zwölf Prozent der untersuchten Institute setzten ganz auf digitale Transformation und investierten in eine Digital-First-Strategie. Für diese soll sich das Engagement auszahlen, so Accenture. Digitale Reife korreliere nämlich mit einer hohen Marktbewertung und einer besseren Kapitalrendite, sagt das auf digitale Transformation spezialisierte Consulting-Unternehmen. Sei die Eigenkapitalrendite bei diesen digital fokussierten Banken zwischen 2011 und 2017 um 0,9 Prozent gestiegen, sollen es bis 2021 nochmals 1,5 Prozent sein.
 
Das sind schlechte Nachrichten für die meisten Banken: 38 Prozent befinden sich laut Accenture mitten in der Transformation, haben aber offenbar keine kohärente Strategie. Und die Hälfte aller untersuchten Institute – der "Rest" – hätte bei der digitalen Transformation überhaupt keine nennenswerten Fortschritte gemacht. In beiden Kategorien soll die Eigenkapitalrendite deutlich schwächer zulegen. Beim "Rest" sei sie von 2011 bis 2017 gar um 1,1 Prozent gesunken.
 
"Unsere Forschung zeigt, dass die digitale Führung eine überlegene Wirtschaftsleistung zur Folge hat und dass sich die Kluft zwischen 'den Besten' und 'dem Rest' in einem grossen Tempo vergrössert. Das sollte den Banken, die mit der digitalen Transformation und der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen haben, zu Bedenken Anlass geben", so Julian Skan, Senior Managing Director and Global Banking Head bei Accenture Strategy.
 
In der Studie rudern die Autoren dann aber zurück und wollen einen auf der Hand liegenden Einwand entkräften: Man könne ihnen vorwerfen, dass sie zu viel in die digitale Transformation hineinlesen würden, statt die führenden leistungsstarken Banken unter verschiedenen Aspekten zu verstehen. "Das ist zwar in einem gewissen Masse zutreffend", so Accenture, aber wie die digital führenden Banken seit 2011 die Rangliste umgekrempelt hätten, zeige das Erklärungspotential der Digitalisierung. Zugleich räumen die Studienmacher ein, dass die Differenzen innerhalb der drei Gruppen ebenfalls deutlich seien und deshalb von weiteren wichtigen Performance-Variablen ausgegangen werden müsse.
 
Kosteneffizienz und "digitale Muskeln" im Fokus
Profitieren könnten die Banken von der Digitalisierung vor allem durch eine gesteigerte Kosteneffizienz und weniger durch Umsatzwachstum. Dadurch könnten sie die Rendite erhöhen und aus jedem Dollar, Euro oder Franken mehr rausholen. Doch auch die digital fittesten Banken müssten noch einiges tun, um die aufstrebende Konkurrenz aus dem Fintech- und "Big-Tech"-Bereich widerstehen zu können.
 
Die Gebühreneinnahmen gerieten unter Druck und es müssten andere Wege zur Ertragsgenerierung gefunden werden: "Selbst die am stärksten digital fokussierten Banken stehen vor einer grossen Herausforderung und müssen Wege finden, neue Einnahmen zu generieren, wenn die traditionellen Gebühreneinnahmen unter Druck geraten", so Richard Lumb, CEO Financial Services bei Accenture.
 
Accenture rät zum Aufbau von Kundenbeziehungen mit Open Banking. Zudem soll man die Service-Kosten senken, die Zykluszeiten verkürzen und auf digitale Kanäle – insbesondere mobile – setzen. Man solle sich auf jeden Fall "digitale Muskeln" mit KI, Cloud und RPA zulegen.
 
Für die Studie hat Accenture rund 160 der grössten Privat- und Geschäftsbanken in 21 Ländern unter die Lupe genommen. (ts)