Nachlassstundung: Balluun beantragt Kapitalerhöhung

Kürzlich machten wir exklusiv publik, dass der Traum des "Facebooks für Geschäftskunden" des einst hoch gehandelten Startups Balluun passé ist. Die Balluun Managment AG, Tochter-Gesellschaft für das zentrale B2B-Business, hatte Insolvenz angemeldet. Für die Holding Balluun AG war seitens des Unternehmens von einer Restrukturierung die Rede.
 
Mittlerweile haben CEO Roger Müller und der prominente Verwaltungsrat Walter Knabenhans, ehemaliger Chef der Privatbank Julius Bär, die Medien informiert. Klar ist nun: Für die Dachgesellschaft wurde die Nachlassstundung beantragt. Der Schritt wurde nötig, nachdem mit der letzten Kapitalerhöhung Ende April statt der angepeilten 16 Millionen Franken, nur 3,85 Millionen erzielt wurden.
 
Das B2B-Geschäft kam nicht in die Gänge: "Während das B2C-Business im ersten Quartal 2019 der Planung entsprechend verlief, sowohl bezogen auf den Umsatz, wie auch was die Rentabilität betrifft, mussten wir im B2B-Business herbe Rückschläge hinnehmen", heisst es in einer Mitteilung an die Aktionäre. Lediglich 100'000 Franken konnte das B2B-Verkaufsteam realisieren – ein Fünftel des angestrebten Ziels. Der grosse Traum von Balluun war aber gerade das Geschäft mit Businesskunden in einer Art Social-Media-Lösung.
 
Das defizitäre B2B-Geschäft soll nun in einem Management-Buy-Out an die Leitung der US-Tochter Balluun Inc. veräussert werden. Damit könne man die jährlichen Kosten von rund sechs Millionen Franken auf etwa eine halbe Million senken, versprechen CEO Müller und VR Knabenhans im Brief. Um diesen Schritt rechtlich abzusichern und um die Holding Balluun AG zu sanieren, habe man eine Nachlassstundung mit einem Sanierungsplan beantragt. Unter Aufsicht eines Sachwalters soll neben dem Buy-Out eine Generalversammlung durchgeführt und eine Kapitalerhöhung von maximal vier Millionen Franken umgesetzt werden. Das Geld soll ausschliesslich für das B2C-Geschäft aufgewendet werden.
 
Denn die Balluun AG wird sich neu gänzlich auf das Endkunden-Geschäft fokussieren, also auf das Geschäft mit der Tochtergesellschaft Saigara. Diese wurde im Sommer 2018 akquiriert. Mit ihrem Business sollen dieses Jahr zehn Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet werden, wie das Unternehmen mitteilt. Die neuerliche Kapitalerhöhung dient zur Hälfte dem Earn-Out der Saigara, also für einen Teil des Kaufs, die übrigen zwei Millionen sollen in den Ausbau des Geschäfts fliessen.
 
Im Brief erklären CEO und VR, dass "die Grossaktionäre der Balluun AG bereits massgebliche Investitionen zugesichert haben". Zusätzlich würden bestehende Verbindlichkeiten im Umfang von 2,4 Millionen Franken in Aktien gewandelt, was eine schuldenfreie Bilanz ermögliche. Dies aber nur unter der Bedingung, dass bei der neuerlichen Kapitalerhöhung vier Millionen Franken Cash eingenommen werden.
 
Ausserdem werden an der GV Anträge zur Neubesetzung des Verwaltungsrats sowie der Wechsel der Revisionsgesellschaft behandelt. (ts)