Open Source vs. AWS – Der Cloud-Gigant in der Kritik

Es ist eine heiss diskutierte Frage in der Open-Source-Community: Ist AWS Freund oder Feind? Der Cloud-Gigant steht immer wieder in der Kritik, kommerzielle Services auf Basis von Open Source zu entwickeln, selbst aber nichts zur Open-Source-Community beizutrage. Gleichzeitig jedoch hilft die Reichweite von AWS oder anderen Hyperscalern dabei, OSS unter einem grösseren Publikum zu verbreiten.
 
Das US-Magazin 'The Information' ist der Frage nachgegangen und kann ein paar Zahlen liefern: AWS erwirtschaftete dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr allein mit seinen Top-100-Kunden 100 Millionen Dollar Umsatz mit einem Service, der auf der Software Elasticsearch basiert. Die Firma Elastic, die die Software entwickelt habe, habe in den zwölf Monaten bis April 2019 einen Umsatz von insgesamt 271 Millionen Dollar erwirtschaftet. Da AWS gemäss eigenen Angaben mehr als eine Million Kunden hat, könne man wohl schliessen, dass der Konzern mit Elasticsearch gleich viel Geld verdiene, wie Elastic, so das US-Magazin. Weder AWS noch Elastic wollten die Zahlen kommentieren.
 
Nicht nur AWS sondern auch die OSS-Firmen, darunter neben Elastic beispielsweise Redis Labs, MongoDB und Confluent, sind profitorientiert. Sie verdienen Geld mit Zusatzsoftware und Services. Ihre Sorge besteht darin, dass AWS ihnen mit Cloud-Versionen ihrer Software Kunden wegnimmt, fasst der Bericht die Debatte zusammen (Artikel hinter Paywall).
 
Um dem Einhalt zu gebieten, hätten viele OSS-Firmen an den Lizenzregeln für ihre Software "herumgepfuscht", wie 'The Information' schreibt. Damit sollen AWS und andere Cloud-Firmen daran gehindert werden, sie den eigenen Kunden anbieten zu können. Confluent und Cockroach Labs würden mit Lizenzklauseln den Cloud-Anbietern explizit verbieten, ihre Software kommerziell zu nutzen. Die Firma Redis Lab wiederum habe die Lizenzvereinbarungen für Add-On-Funktionen so geändert, dass Cloud-Anbieter sie nicht in konkurrierende Dienste integrieren können. Dies solle Redis Labs "vor einer möglichen zukünftigen AWS-Kanibalisierung schützen", sagt CEO Ofer Bengal zum US-Magazin.
 
Dafür gibt es allerdings auch Kritik aus der OSS-Community. Denn die Lizenz-Veränderungen könnten für Kunden verwirrend sein. Ausserdem würden Cloud-Anbieter wie AWS Open-Source-Projekte unterstützen, indem sie die Software an ein breiteres Publikum verteilen und den Projekten mehr Glaubwürdigkeit verleihen, sagen andere Stimmen aus der OSS-Community.
 
AWS holte denn auch zum Gegenschlag. Ein Jahr nachdem Elastic damit begonnen hatte, den Zugang zu seinen Diensten einzuschränken, brachte AWS eine eigene Distribution von Elasticsearch auf den Markt. Diese stehe direkt mit derjenigen in Konkurrenz, die von Elastic verwaltet wird. Da Elastic freien Code mit proprietärem mische, würden Kunden Gefahr laufen, die Lizenzbestimmungen von Elastic zu verletzen. Dies liesse AWS keine andere Wahl, als eine eigene, wirklich "offene" Version zu erstellen, schrieb Adrian Cockroft, VP der Cloud-Architekturstrategie bei AWS, in einem Blogeintrag vor einigen Wochen. (kjo)