Deutsche Bank investiert heftig in IT

Die Grossbank zieht sich aus Geschäftsbereichen zurück und baut Stellen ab. Im Zuge der Reorganisation sollen 13 Milliarden Euro in die IT fliessen.
 
Die Deutsche Bank will radikal schrumpfen und streicht 18'000 Arbeitsplätze. Bis 2022 solle die Zahl der Vollzeitstellen auf etwa 74'000 sinken, teilte die Deutsche Bank am Sonntag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Dadurch sollen die bereinigten Kosten um etwa sechs Milliarden Euro auf 17 Milliarden Euro fallen, damit die Bank wieder profitabler wird. Wegen der Kosten für den Umbau schreibt die Bank im zweiten Quartal einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Bis Ende 2022 rechnet der Vorstand mit Belastungen von insgesamt 7,4 Milliarden Euro durch den Umbau.
 
Um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu verbessern, plant die Deutsche Bank einen Umbau der Infrastrukturfunktionen. Dazu gehören jene Systeme und Prozesse, die alle Geschäftsbereiche unterstützen. Diese Funktionen sollen schlanker, innovativer und digitaler werden, schreibt die Bank.
 
Gleichzeitig wird eine eigenständige Technologiefunktion geschaffen, die die Digitalisierung aller Geschäftsbereiche vorantreiben, die Innovationskraft stärken und die internen Kontrollen weiter verbessern werde. Die Bank wolle gezielt in Technologien und Innovationen investieren und setze dafür bis 2022 Mittel in Höhe von 13 Milliarden Euro ein. Ziel sei es, die Effizienz zu steigern und die Produkte und Dienstleistungen zu verbessern.
 
Zusätzlich bekommt die Bank einen Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation. Diese Stelle wird ab September mit dem langjährigen SAP-Manager Bernd Leukert besetzt. Bis zur regulatorischen Freigabe als Vorstandsmitglied wird Leukert an Frank Kuhnke berichten. Leukert war rund 25 Jahre beim deutschen Softwarehersteller SAP tätig wo er zuletzt als Vorstandsmitglied den Bereich SAP Digital Business Services verantwortete. Leukerts Berufung sei ein "klares Bekenntnis der Bank", die IT wesentlich zu verbessern, um effizienter zu werden. "Er wird uns dabei helfen, auf dem Weg in das Zeitalter der Cloud- und der Plattformökonomie noch schneller voranzukommen", so die
Die Deutsche Bank holt den langjährigen SAP-Manager Bernd Leukert in den Vorstand.
Bank.
 
Insgesamt sollen Systeme und Prozesse angepasst werden. Diese Funktionen sollen schlanker, innovativer und digitaler werden. Frank Kuhnke, seit rund einem Jahr COO der Bank, solle die Struktur und die Prozesse der Infrastruktur auf den Prüfstand stellen, um sie schlanker und wirtschaftlicher zu machen. "Seit vielen Jahren sind unsere fixen Kosten viel zu hoch, wie sich allein am Verhältnis von Kosten und Ertrag ablesen lässt", schreibt die Bank.
 
Schaffung einer "Bad Bank"
Die Deutsche Bank will sich aus dem weltweiten Aktiengeschäft zurückziehen und ihr Handelsgeschäft verkleinern, wie sie bekannt gibt. Dadurch kommt es zu weiteren Änderungen im Vorstand. Ausserdem schafft das Finanzinstitut eine interne "Bad Bank", um Bilanzpositionen abzuwickeln, die aus den Geschäftsfeldern stammen, die aufgegeben oder verkleinert werden sollen. Diese Positionen umfassen 74 Milliarden Euro an Bilanzrisiken (RWA) – ein Fünftel des Gesamtbestandes.

Dadurch will das Institut Luft für Investitionen in ihren Kern-Bereichen bekommen. Zu diesen zählt sie das Geschäft mit Unternehmenskunden, das Finanzierungsgeschäft, das Geschäft mit Fremdwährungen, das Beratungs- und Emissionsgeschäft, das Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung mit der Fondstochter DWS. (kjo)