Libra: Chef der US-Zentralbank hat "ernsthafte Bedenken"

Nach den zahlreichen kritischen Einlassungen zu Facebooks Libra-Projekt in den letzten Wochen, meldete sich nun auch US-Zentralbank-Chef Jerome Powell zu Wort. Er zeigte sich in Sachen Privatsphäre, Geldwäsche, Verbraucherschutz und Finanzstabilität besorgt. Das Projekt könne nicht vorankommen, bis die ernsthaften Bedenken ausgeräumt seien, habe der Republikaner vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses betont. Dies berichtet 'Reuters'.
 
Eine regulatorische Prüfung müsse mit der nötigen Geduld und Vorsicht vorgenommen werden, so Powell. Die US-Zentralbank hat mittlerweile eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die das Libra-Projekt verfolgt und sich mit anderen Zentralbanken auf der ganzen Welt abstimmen will.
 
Alle Probleme, die durch Libra entstehen könnten, "seien allein schon wegen der Grösse von Facebook systemisch wichtig", erklärte Powell die Massnahmen. Er unterstrich aber, dass er Innovationen in der Finanzwirtschaft unterstütze, solange auch die Risiken identifiziert würden.
 
Auch Facebook äusserte sich gegenüber 'Reuters' zu den Bedenken: "Wir sind uns mit dem Vorsitzenden (Powell) über die Notwendigkeit eines öffentlichen Diskurses einig", sagte Facebook-Sprecherin Elka Looks. Deshalb habe man die Absichten der Libra-Assoziation so weit im Voraus publiziert.
 
Manager von Facebook sollen Ende dieses Monats vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. David Marcus, der Chef des Projekts Libra, wird mutmasslich noch im Juli vor dem Bankenausschuss des US-Senats aussagen müssen. Marcus hat sich bereits in einem Brief geäussert und erklärt, dass Libra die Regulierer, Regierungen und Zentralbanken brauche, um das Projekt richtig durchzuführen.
 
Einige US-Abgeordnete sind dem Projekt aber alles andere als wohlgesonnen. So sagte etwa Bred Shermann von der Demokratischen Partei während der Anhörung von Powell laut 'CNBC': "Es ist an der Zeit, Mark Zuckerberg hierher zu bringen. Er ist derjenige, der Milliarden von Dollar mit uns gemacht hat, sich darauf verlässt, dass die US-Regierung seine Milliarden schützt, und jetzt das System untergraben will." (ts)