Migrolino prüft Einsatz von Gesichts­erkennung

Der Detailhändler Migrolino prüft offenbar, wie Software für die Gesichtserkennung in 24-Stunden-Shops zum Einsatz kommen könnte. Die geplanten Filialen sollen ohne Personal auskommen. Damit sichergestellt werden kann, dass Minderjährige keinen Zugang zu Alkohol oder Tabak erhalten, prüft der Detailhändler die Technologie. Dies berichten die Zeitungen von CH-Media mit Berufung auf die deutsche 'Lebensmittelzeitung'.
 
Migrolino-Chef Markus Laenzlinger wollte bis anhin noch nicht viel über das neue Store-Konzept preisgeben, habe nun aber gegenüber der deutschen Zeitung bestätigt, dass die Shops in der Nacht ohne Bedienung auskommen sollen. Als eine mögliche technische Lösung für den Zugang in einen Shop nennt Laenzlinger die Gesichtserkennung. Weitere technische Details gibt er aber nicht bekannt.
 
Kürzlich hat die Kiosk-Mutter Valora im Hauptbahnhof Zürich einen kassenlosen Shop getestet. Der Zugang zum Valora-Laden wurde über eine App geregelt. Allerdings sagte Valora-Chef Michael Mueller, dass auch die Gesichtserkennung geplant sei, schreibt die 'Aargauer Zeitung'. Getestet wird das Konzept zunächst mit Kaffee- und Zigarettenautomaten, die das Gesicht der Kunden scannen, um personalisierte Kaufempfehlungen zu machen. Ein Gesicht solle aber nur mit der Einwilligung des Kunden gescannt werden.
 
Als Vorbild für die Migrolino-Filialen gelten die amerikanischen Geschäfte Amazon Go, die ohne Kasse auskommen. In den Amazon-Läden kommt keine Gesichtserkennung zum Einsatz, dafür sind die Geschäfte komplett videoüberwacht. Auch Microsoft ist im Detailhandel aktiv und hat gemeinsam mit dem US-Lebensmittelhändler Kroger ein auf Azure basiertes System entwickelt. Die Lösung bietet unter anderem Video-Analysen, über die einerseits leere Regale identifiziert werden können. Andererseits werden damit auch beispielsweise das Geschlecht und Alter von Kunden errechnet, um ihnen personalisierte Angebote unterbreiten zu können.
 
Detailhandel weltweit experimentiert
Der Einsatz der Technologie wird im Detailhandel nicht nur in der Schweiz getestet. Laut dem 'Wall Street Journal' etwa kommt Gesichtserkennungs-Software in amerikanischen Einkaufszentren zum Einsatz oder wird getestet. "Als minimales Feature wollen wir wissen, wer unsere Kunden sind, wo im Einkaufszentrum sie sich aufhalten und wie lange sie bleiben", wird der Chef eins Shoppingcenters, in einem Artikel von Anfang Juli.
 
Software, um zudem den Gemütszustand eines Kunden zu entdecken, gibt es etwa von AWS, Intel und weiteren. Die Lösungen würden es erlauben, die Gesichter von Kunden zu analysieren, um beispielsweise festzustellen, ob sie an einem Produkt interessiert oder nicht.
 
Während hierzulande, wie auch in den USA, Software zur Gesichtserkennung auf Kritik stösst, ist die Technologie in China schon fast alltäglich. Nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in Restaurants, Apotheken und Supermärkten kommt solche Software zum Einsatz. (kjo)