Britischer Staat muss bei Tech-Projekten Milliarden abschreiben

116 Millionen Franken, soviel kostete der legendärste IT-Flop des Bundes namens "Insieme". Und wer die IT-Beschaffung der Schweizer Behörden verfolgt, wundert sich, dass selbst Kleinprojekte scheitern, wie das Simap-Debakel zeigt.
 
Abgesehen davon, dass hierzulande vielfach gute Arbeit geleistet wird, sind die britischen Behörden und ihre Partner auffällig schlecht darin, Technologieprojekte in Zeit, Budget und Qualität umzusetzen. "Gescheiterte Regierungsprojekte in den letzten Jahren haben zu Verzögerungen von insgesamt 34 Jahren geführt und es wurden 7,5 Milliarden Pfund verschwendet", so die Bilanz des konservativen Think-Tanks Freer. Das sind 9,2 Milliarden Franken, welche laut dem Papier bereits abgeschrieben sind und dies in gerade mal neun als Beispiele aufgelisteten Projekten.
 
Unter diesen neun Projekten sind auch Infrastrukturprojekte, aber "Technologie scheint ein spezielles Problem zu sein", so die Autoren. An oberster Stelle erläutern sie ihren Missmut an zwei Technologie-Projekten des britischen Innenministeriums.
 
Das eine ist ein neues Emergency Services Network, ein 4G-Netzwerk für Blaulicht-Organisationen, das rund 3,9 Milliarden Franken mehr kostet als budgetiert, nämlich 10 Milliarden. Die Umsetzung ist auch mindestens vier Jahre verspätet und laut den Autoren habe sich die Basis-IT unter realen Bedingungen noch nicht bewährt.
 
Wie es beim Netz für Schweizer Blaulicht-Organisationen aussieht, haben wir in einer Artikelserie aufgearbeitet.
 
Ein Legacy-IT-Ablösungsprojekt eines Amtes wird wohl 227 Millionen Franken teurer als versprochen und sollte eigentlich vor 46 Monaten abgeschlossen sein. Inzwischen sei der Vertrag mit dem externen Partner Tata ausgelaufen, der indische Konzern erhielt acht Millionen Pfund (9,7 Millionen Franken) extra und ein Rechtsstreit läuft.
 
"Dies sind kritische, oft hochkarätige Initiativen, die an der üblichen Kombination aus übertriebenen Versprechen, mangelnder Beherrschung der Grundlagen und schlechtem Set-up gescheitert sind – oder gerade jetzt scheitern", wettert der Think Tank.
 
Als Lösung offeriert werden neben Weiterbildung für die Beteiligten und verbesserter Aufsicht auch erfolgsabhängige Entlöhnungen, klare Verantwortlichkeiten und die Einführung eines zentralen COO für derartige Projekte. Das 21-seitige Papier gibt es als PDF-Download. (mag)