Schweizer Crypto-Valley hat sich wieder erholt

Heftige Schwankungen bei der Marktkapitalisierung der Schweizer Krypto-Firmen.
 
Nach dem als "Krypto-Winter" bezeichneten Absturz der hiesigen Crypto-Valley-Branche Ende letzten Jahres zeichnet die jüngste, dritte Analyse der Zuger Risikokapitalgesellschaft CV VC nun wieder ein deutlich gewandeltes Bild.
 
Demnach hat sich bei den Kryptowährungen die Marktkapitalisierung der 50 grössten Blockchain-Unternehmen im hiesige Crypto Valley von umgerechnet knapp 20 Milliarden Franken Ende 2018 wieder auf umgerechnet rund 40 Milliarden Franken im Juli 2019 verbessert. Laut der ersten CV-VC-Top-50-Liste betrug die Marktkapitalisierung noch umgerechnet fast 45 Milliarden Franken.
 
Zudem ist das Ökosystem für Distributed Ledger Technology und Blockchain wieder gewachsen und umfasst mittlerweile mehr als 800 Unternehmen in der Schweiz und Lichtenstein – im ersten Quartal 2019 waren es noch 750, im Oktober 2018 erst rund 600. Auf Anfrage teilt CV VC mit, dass man nicht nur Firmen gezählt habe, die auf Bitcoin und Co. spezialisiert seien, sondern auch solche, die mit anderen Blockchain-basierten Anwendungen arbeiten.
 
Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Branche auch beim Personal deutlich zugelegt hat und nun um rund 700 auf über 4000 Mitarbeitende in der Schweiz gewachsen ist. Nicht berücksichtigt worden sei bei dieser Zahl das Personal in Akademien, Verbänden, Universitäten oder bei Service-Providern.
 
Trotz der guten Zahlen hält Mathias Ruch, Gründer und CEO von CV VC, fest, dass der Krypto-Winter zweifellos Spuren in der Branche hinterlassen habe. Wobei aber "Unternehmen mit starkem Fundament und konkreten Anwendungsmöglichkeiten ihre Bewertungen deutlich erhöht" hätten.
 
Offen ist, ob diese Argumente schon ausreichen, insbesondere die drastische Schwankung der Marktkapitalisierung in den letzten Monaten zu erklären. Bei der britischen Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) warnt man jedenfalls davor, Geld in unregulierte Kryptoassets wie Bitcoin zu stecken. Die hätten keinen inneren Wert und böten wenig Schutz im Vergleich mit dem Dollar oder Pfund, die von Regierungen gestützt seien. Es handle sich um einen "kleinen, komplexen und sich entwickelnden Markt, der ein breites Spektrum von Aktivitäten abdeckt".

Für die daran Beteiligten hat die Behörde soeben Leitlinien vorgelegt, die klarstellen sollen, welche Kryptoasset-Aktivitäten den Regulatorien der FCA unterstehen. Jedenfalls sollten Verbraucher vorsichtig sein, wenn sie in Krypto-Anlagen investieren.
 
Abgesehen von dieser Problematik bezeichnet CV VC in der zusammen mit Strategy& von PwC und Inacta als IT-Partner entstandenen Studie zu den TOP 50 des hiesigen Crypto Valley, die fünf wichtigsten Zentren der Branche. Neben Zug, das mit gut 400 Krypto-Unternehmen das Herz der Schweizer Blockchain-Ökonomie bildet, zähle Zürich, das Tessin, Liechtenstein und die Waadt inklusive Genf dazu.
 
Ausserdem streicht die Top-50-Studie heraus, dass neu nun sechs Unternehmen des hiesigen Crypto Valley zu den Unicorns gehören. Das seien zwei mehr als noch Anfang Jahr. Von den sechs seien fünf in Zug angesiedelt. Mit jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet seien drei der weltweit grössten Projekte, die an der Weiterentwicklung der Blockchain-Infrastruktur arbeiten: Ethereum, Cardano and Dfinity. Letztere habe erst vor kurzem den Hauptsitz von Zug nach Zürich verlegt.
 
Neu würden auch Cosmos Network sowie Polkadot als Einhörner gezählt und in diese Kategorie gehöre auch das Mining-Unternehmen Bitmain Switzerland, das sich derzeit auf einen Börsengang an einer US-Börse vorbereite. (vri)