Postfinance-Mann Paul Kreis wird neuer CIO von Twint (Update)

Zuletzt drehte das Personalkarussell im Management bei Twint recht schnell. Nach dem Ersatz des CEO ist nun auch der neue CIO bekannt.
 
Erst vor knapp einem Monat hat sich beim Mobil-Bezahl-App-Anbieter Twint Thierry Kneissler verabschiedet. "Mister Twint", schrieb damals 'finews.ch', sei "überraschend" vom deutschen Banker Markus Kilb abgelöst worden. Jetzt hat 'inside-paradeplatz.ch' herausgefunden, dass weitere drei Spitzenjobs bei Twint verwaist sind.
 
Nachdem Sabine Do-Thuong laut ihrem LinkedIn-Profil schon im März den Sessel als Head of Development geräumt hat, haben sich nun auch CTO Simon Uhde und CIO Stefan Hediger verabschiedet. Die beiden haben sich laut LinkedIn auf Anfang Juli in Bern mit dem Beratungsunternehmen Hediger& Uhde selbstständig gemacht.
 
Wie Twint nun gegenüber inside-it.ch bestätigt hat, wird Paul Kreis Nachfolger von Hediger. Kreis hat Wirtschaftsinformatik studiert und hält einen MBA, den er im Rahmen des Rochester-Bern Executive Programs am Institut für Finanzmanagement der Universität Bern respektive der Simon Business School der University of Rochester erworben hat, wie seinem LinkedIn-Profil zu entnehmen ist.
 
Demnach hat der langjährige Postfinance-Mann seine Karriere 2002 als Projekt-Manager beim Kanton Bern gestartet. 2006 stiess es dann zur Banken-Tochter der Post. Hier hat er in den letzten 12 Jahren unter anderem als "Head IT Card Acquiring & e-Payment" und als Projektmanager das Rollout und den Bereich Infrastructure Core Banking Transformation verantwortet. Ihm unterstanden ausserdem Projekte der Delivery Factory IT bei der Postfinance sowie unter anderem der Betrieb und die Definition der Operational Excellence in Sachen BPM und Process Mining. Zuletzt amtete Kreis als "Lead agile Transformation".
 
Mit der Bekanntgabe der Personalie reagiert Twint nicht zuletzt auf den weiteren Inhalt des Berichts auf 'inside-paradeplatz.ch'. Dort war von einem "Massenabgang ganz oben" und einer "ausgewachsenen Krise" die Rede. Als Grund wurde angegeben, dass die drei gegangenen Spitzenleute von Adnovum stammen, wo der Kern der Twint-Software entwickelt wurde.
 
Auf Anfrage von inside-it.ch wiegelt man bei Twint ab. Zwar sei es richtig, dass Adnovum für Twint "bis Ende 2017 die Entwicklungsarbeiten im Auftragsverhältnis ausgeführt" habe. Doch dann sei entschieden worden, "das Rechenzentrum zu Swisscom zu verlagern und Adnovum hat diese Transitionsphase Anfangs 2018 noch begleitet". Seither zähle Twint auf die Unterstützung von Adnovum nur noch "in ausgewählten einzelnen Projekten".
 
Auch die Abgänge im Management sieht man bei Twint nicht so dramatisch, wie es der Bericht nahelegt. So habe der CIO Hediger "beschlossen sich selbständig zu machen. Seine Stelle ist bereits nachbesetzt. Der Neue CIO fängt in ein paar Wochen an.
 
Doch "Twint hat darum in den vergangenen Wochen mehrere Neu-Einstellungen vorgenommen und rekrutiert weiterhin", heisst es bei der Pressestelle. Zudem habe man "sich von einigen externen Mitarbeitern getrennt, um diese Stellen mit festen internen Mitarbeitern zu besetzen". Unter anderem seien "inzwischen einige frühere Adnovum-MitarbeiterInnen als Angestellte" zu Twint gewechselt.
 
Man passe insbesondere externe Ressourcen nach den Bedürfnissen laufend an, erklärt Twint summarisch weiter und verweist darauf, dass in diesem Jahr zum Beispiel Schwerpunkte bei Anpassungen im Backend sowie in der Architektur bestehen: "Dies bedeutet, dass Twint laufend Mitarbeiter mit den dafür notwendigen Qualifikationen unter Vertrag nimmt oder Verträge auslaufen lässt, deren Aufgaben und Zielsetzung erreicht wurden".
 
Auch das von 'inside-paradeplatz.ch' behauptete Kostensparprogramm bestreitet man bei Twint. Vielmehr fokussiere man "Ressourcen auf die für den dauerhaften Erfolg von Twint notwendigen Themen".
 
Vehement wird zudem bestritten, dass Twint bisher schon eine halbe Milliarde Franken gekostet habe: "Diese Zahl dementieren wir in aller Form, sie ist vollständig aus der Luft gegriffen und eine Phantasie des Autors" der Meldung. Man gebe "zwar keine Geschäftszahlen bekannt, die Investitionen sind aber um Faktoren geringer".
 
Schliesslich unterstreicht Twint einmal mehr seine Position als Nummer eins bei den mobilen Zahlungssystemen der Schweiz: Mit 1,6 Millionen Usern, "die immer noch täglich um 2000 bis 3000 zunehmen", würden aktuell drei Millionen Transaktionen pro Monat abgewickelt. Man rechne damit, dass Ende Jahr rund zwei Millionen Menschen Twint nutzen werden.
 
Diese Resultate wären gar nicht zu erreichen "wenn ein Softwareproblem vorliegen würde". Dann würden ja diese Transaktionen gar nicht stattfinden", resümiert man bei Twint. (vri)
 
Update (5.8.2019): Natürlich ist Thierry Kneissler 2018 abgetreten und nicht erst vor einem Monat (wir haben 2018 darüber korrekt berichtet). Wir bitten um Entschuldigung für den Fehler im ersten Satz.