Kapo Luzern führt Bussen-App von Abraxas ein

Für rund 420'000 Franken soll in Luzern das Bussenregiment mit einer App zusätzlich digitalisiert werden. Wie der Kanton auf Anfrage bestätigt, wird die "Bussen-App der Luzerner Polizei wird von Abraxas Epsilon" gebaut. Derzeit laufe aber noch die Einsprachefrist. Wenn "keine Einsprache eingeht, dann wird es Vertragsverhandlungen geben und dann allenfalls die Umsetzung", erklärt Simon Kopp von der Medienstelle der Staatsanwaltschaft des Kantons. Er betont, dass in den Betrag der Beschaffung zehn Jahre Betrieb und Wartung der App eingerechnet sind.
 
Die Vergabe des Zusatzmoduls der in 20 Kantonen verwendeten Bussenverarbeitungs-Software Epsipol erfolgte freihändig. Es gebe keine Alternative zu Abraxas-Lösung, heisst es in der Ausschreibung im Kantonsblatt mit Hinweis auf das Gesetz über die öffentlichen Beschaffungen (öBG). Zudem beruft sich der Kanton auf weitere Punkte des öBG, wonach Abraxas bei der Erweiterung unter anderem auch wegen "bereits erbrachter Leistungen" zum Zuge kam und da einzig Abraxas "die Austauschbarkeit mit schon vorhandenem Material oder von Dienstleistungen gewährleistet".

Nötig geworden ist die App, weil die Geräte, mit denen bislang beim Ausstellen von Ordnungsbussen Belege ausgedruckt wurden, nach über zehn Jahren am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind. Das sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur 'Keystone-sda'. Statt neuer Geräte erhielten nun die Polizisten und Polizeiassistenten die App auf ihr Diensthandy. Ausserdem würde das die Administration vereinfachen, zumal die Durchschlagblöcke ersetzt würden. Alleine für diese habe man jährlich rund 35'000 Franken ausgegeben.
 
Erstmals vorgestellt wurde die App im März 2017 von der Kantonspolizei Basel Stadt am Spik (Schweizer PolizeiInformatik Kongress). Schon damals wurde als entscheidende Neuerung die starke Automatisierung der Abwicklung von Bussen bis hinein ins Backoffice hervorgehoben. Wie seit der Einführung 2018 in Basel wird auch in Luzern zum Ausfüllen des Bussenzettels mit dem Smartphone das Autokennzeichen gescannt und die Informationen über das "Reverse Geo-Coding" versehen. Das heisst, es werden via Geokoordinaten textuelle Standortangaben integriert.
 
Anzunehmen ist, dass nach dem Basler Vorbild auch in der Luzerner App der Ordnungsbussenkatalog hinterlegt ist und diverse weitere Angaben etwa zum Autotyp und der Person "automatisch" ergänzt werden. Auf der Hand liegt jedenfalls, dass auch die Luzerner Polizei mit der App-Nutzung Zeit einsparen wird.
 
Das gleiche gilt übrigens auch für die Gebüssten. Denn sie erhalten künftig einen QR-Code, auf dem die Busse referenziert ist. Diesen können sie entweder selber online einlesen und die Busse online begleichen, einen Einzahlungsschein bestellen, oder aber die Gebüssten bringen den Code zur Post und bezahlen dort auf herkömmliche Art. (vri/Keystone-sda)