Huawei-Gründer will eine "eiserne Armee" schaffen

"Wir werden dank US-Bann zum Smartphone-Markführer", hiess es noch im April von Richard Yu, einem hochrangigen Huawei-Manager. Nun klingt die Melodie etwas anders, die man aus dem Hause Huawei vernimmt: Ren Zhengfei, der Gründer von Huawei, schrieb kürzlich, dass der Netzwerkriese unter harten und schwierigen Bedingungen innerhalb von drei bis fünf Jahren zu einer "eisernen Armee" umgebaut werden müsse. Damit wolle man einem Angriff aus den USA Stand halten, dessen erste Salve die "Öltanks" der Consumer-Business-Gruppe getroffen habe. Dies ist einem internen Memo zu entnehmen, das 'Reuters' vorliegt.
 
Neben der metaphorisch-militärischen Sprache – Zhengfei war laut Berichten IT-Ingenieur der chinesichen Armee – ist der Huawei-Chef im Memo auch nicht um einen starken historischen Vergleich verlegen: Das Consumer-Business stehe nun vor einem "schmerzhaften langen Marsch". Der lange Marsch ist ein zentraler Mythos der kommunistischen Partei Chinas (KPCh): Innert 370 Tagen soll die KPCh und Verbände der Roten Armee ab 1934 unter Führung von Mao Zedong 12'500 Kilometer zurückgelegt haben, um sich aus der Umklammerung durch die feindliche Kuomintang zu befreien. Nur zehn Prozent der Marschierenden sollen das Ziel erreicht haben. In der Folge erholte sich die Partei in einem abgelegenen Teil Chinas und erlangte schliesslich die Macht.
 
Offenbar strebt Zhengfei mit Huawei ähnliches an: So soll sich der Konzern erholen und in eine gestählte Armee umgebaut werden. Die redundanten und unnötigen Teile der Organisation sollen dazu gekürzt werden. Genauere Informationen zu den Schritten gibt es bislang nicht, allerdings soll Huawei begonnen haben die ersten seiner 190'000 Mitarbeiter weltweit in den USA zu entlassen, wie das 'Wall Street Journal' berichtete.
 
Zhengfei sieht das Smartphone-Geschäft, die Cash-Cow des Konzerns, bedroht. Harmony OS, das Betriebssystem, das Huawei erst kürzlich vorstellte, soll etwas Luft verschaffen, wenn der Boykott aus den USA zu greifen beginnt. Allerdings wird es hier Zeit brauchen, bis ein Ökosystem etabliert ist – falls dies überhaupt gelingt.
 
Das 5G-Geschäft hingegen soll gewissermassen die Artillerie des Konzerns bilden. Hier sieht sich der Milliardär Zhengfei mit Huawei vorne: "Die USA verwenden nicht die modernste 5G-Technologie", schreibt er. "Das könnte sie im Bereich der künstlichen Intelligenz zurückfallen lassen". (ts)