Facebook-Dienstleister hörten bei Messenger-Gesprächen mit

In den vergangenen Monaten und Wochen gerieten Amazon, Apple und Google in die Kritik, weil sie Gespräche von Siri-, Google-Home und Alexa-Nutzern aufzeichnen und von Menschen auswerten liessen, ohne dass dies jedermann bewusst war. Jetzt wurde durch Medien bekannt, dass auch Facebook keine Ausnahme war.
 
Facebook hat Mitarbeiter von Subcontractors einige Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anhören und abtippen lassen. Betroffen gewesen seien Nutzer, die die Transkriptions-Funktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte der Konzern dem Finanzdienst 'Bloomberg'. Aufgabe der Zuhörer sei gewesen, zu prüfen, ob die Messenger-Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert worden. Die Praxis sei "vor mehr als einer Woche" gestoppt worden.
 
Bei Facebook hätten sich "hunderte" Beschäftigte bei externen Dienstleistern sich die Aufnahmen angehört, schrieb 'Bloomberg' unter Berufung auf informierte Personen.
 
"Das ist eine Verschwörungstheorie"
Für Facebook ist die Situation etwas heikler als für Amazon, Google und Apple: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als angeblicher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen. Facebook wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer "Verschwörungstheorie".
 
Facebook hatte damals auch erklärt, man verarbeite Audio-Daten nur, falls ein Nutzer die Erlaubnis dazu erteilt habe.
 
Nach Bekanntwerden der menschlichen Zuhörerschaft reagierten alle Tech-Konzerne: Apple setzte die Auswertung der Mitschnitte aus und versprach, sich künftig die ausdrückliche Erlaubnis dafür zu holen. Auch Google stoppte die Praxis Anfang Juli. Amazon bietet Nutzern seit kurzem die Möglichkeit, die Auswertung von Mitschnitten durch Menschen zu verhindern.
 
Unbestritten ist bislang, dass Mitschnitte und menschliche Analysen nötig sind, um Sprachassistenten weiter zu entwickeln. (Keystone-sda/mag)