Schweizer Industriekonzern von Cyberattacke lahmgelegt

Der Milliardenkonzern Omya fährt schrittweise Werke in 50 Ländern wieder hoch. Ein Sprecher erklärt, was los ist.
 
Omya, ein international tätiger Schweizer Hersteller von Industriemineralien, war letztes Wochenende aufgrund eines Cyberangriffs gezwungen, den Betrieb in allen Werken einzustellen. Antti Salminen, CEO von Omya Oy in Finnland, bestätigt dies der finnischen Zeitung 'Helsingin Sanomat' gegenüber. "Dies ist ein globales Problem für uns. Ja, es hat die ganze Welt beeinflusst“, sagt Salminen.
 
Ein Konzernsprecher in der Schweiz bestätigt den erfolgreichen Angriff am letzten Sonntag-Nachmittag auf Anfrage von inside-it.ch. "Wir haben im ersten Moment kurz alle Werke stillgelegt und fahren sie seither Schritt für Schritt wieder hoch."
 
Man habe überprüfen müssen, welche Systeme betroffen waren wie beispielsweise die Automatisierung und das Backup-System.
 
Die meisten Werke seien nur wenige Stunden stillgelegt gewesen. "Aktuell laufen wieder deutlich mehr als die Hälfte der Werke, mehr als 100 Standorte sind voll in Betrieb." Man könne die Kunden beliefern, auch wenn es teilweise Engpässe geben könne.
 
Noch nicht voll in Betrieb ist aber der Konzernsitz im aargauischen Oftringen, so konnte die Telefonistin nur mit einer einzigen Telefonleitung arbeiten. Welche weiteren IT-Systeme betroffen waren, will der Sprecher aktuell nicht präzisieren. "Die Untersuchung läuft und wir kommunizieren keine Details, damit die Angreifer nicht wissen, was wir wissen."
 
Zum Angriff präzisiert der Sprecher, es handle sich um Ransomware. "Es ist eine neue Variante, die bis anhin nicht bekannt war."
 
Omya habe die Schweizer Behörden sowie diejenigen in den Standortländern sowie die europäischen Behörden informiert. Ebenso alle Kunden und wichtige Stakeholder wie Banken.
 
Omya hat laut Eigenangaben mehr als 175 Fabriken in mehr als 50 Ländern und erzielt einen Umsatz von fast dreieinhalb Milliarden Franken. Das 1884 in der Schweiz gegründete Unternehmen beschäftigt über 8'000 Mitarbeitende, davon 600 am Hauptsitz in Oftringen.
 
Der öffentlich wenig bekannte Konzern beliefert Branchen wie Bauwesen, Druck, Verpackung, Lebensmittel, Körper- und Haushaltspflege, Pharmazeutik, Land- und Forstwirtschaft mit Calciumcarbonat. Dieses steckt in unterschiedlichsten Produkten, darunter Papier, Make-up und Esswaren.
 
Industriekonzerne werden immer wieder attackiert, kürzlich wurde der norwegische Aluminiumhersteller Norsk Hydro mehrheitlich lahmgelegt, und konnte zeitweise nur über Facebook kommunizieren. Die Stilllegung kostet den Konzern 28 bis 34 Millionen Franken. (Marcel Gamma)