Meier Tobler nennt Details zum Ransomware-Angriff

Die Schweizer Firma beziffert Schäden und will mit Offenheit sensibilisieren.
 
Der Ende Juli von einem Hackerangriff betroffene Gebäudetechnik-Spezialist Meier Tobler hat mit den Halbjahreszahlen die resultierenden Schäden bilanziert: Demnach hatte der Vorfall für das gesamte Geschäftsjahr 2019 voraussichtlich Umsatzeinbussen von rund fünf Millionen Franken zur Folge, heisst es im Halbjahresbericht.
 
Es seien zusätzlich Sonderkosten zur Bewältigung der Attacke entstanden, die das Jahresergebnis mit ein bis zwei Millionen Franken belasten werden. Denn um künftigen Cyberattacken vorzubeugen, seien die Schutzmassnahmen "deutlich verstärkt, die Notfallpläne aufgrund der jüngsten Erkenntnisse verbessert und der Neuaufbau der IT-Infrastruktur nach modernsten Sicherheitskriterien gestartet" worden.
 
Kosten, die auf immaterielle Fakten wie Kundenärger oder Imageverlust und ähnliches zurückzuführen sind, seien nur schwer zu beziffern, sagt Pressesprecher Martin Schäppi zu inside-it.ch. Doch habe man trotzdem versucht, diese Kosten in die Umsatzverluste einzurechnen.
 
Interessant ist, dass Meier Tobler um grösstmögliche Transparenz bemüht ist und ausführt, was genau geschehen ist. Schäppi betont, dass man die Heimtücke des Angriffs auch deshalb offenlege, um andere Unternehmen zu sensibilisieren und vor der gezeigten Böswilligkeit zu warnen. In diesen Zusammenhang betont er, dass die Firma den von den Erpressern geforderte Millionenbetrag nicht bezahlt habe. Derartiger krimineller Energie müsse entschlossen entgegengetreten werden, so Schäppi weiter.
 
Bei der eingesetzten Ransomware habe es sich um die böswillige Variante von "Cobalt Strike" gehandelt. Die legale Variante der Software, verantwortungsvoll eingesetzt, wird zur Simulation von Bedrohungen genutzt und erlaubt "Blind Network Penetration Tests".
 
Konkret ins Haus gekommen sei der Virus über die Hotelbuchung eines Kollegen, führt Schäppi weiter aus. Die einen Tag nach der Online-Buchung erfolgte Hotelbestätigung enthielt das Virus. Der Mitarbeiter hätte keine Chance gehabt, die Mail-Fälschung zu erkennen und deshalb auch den Anhang völlig arglos geöffnet, so der Sprecher. (vri)