Geheimdienste suchen Business-Cases für Cloud-Migrationen

Die CIOs der US-Geheimdienste erklären, was sie aus Projekten gelernt haben. Rechnen beispielsweise.
 
An einer Konferenz der Nachrichtendienste der US-Armee diskutierten die CIOs der Defense Intelligence Agency, des CIA und der National Geospatial-Intelligence Agency mit dem CIO der Vereinigung der 17 Nachrichtendienste über die Vor- und Nachteile der Cloud.
 
Die Hauptlehren, soweit waren sich die CIOs einig: "Nur weil man etwas in die Cloud stellen kann, bedeutet es nicht, dass man es auch tun sollte".
 
Man laufe als Geheimdienst Gefahr, sich in der Cloud zusätzliche Probleme einzuhandeln und dass alles teurer werde als budgetiert, so die Bilanz des CIOs der Defense Intelligence Agency, Jack Gumtow. "Es muss Auswirkungen auf die Einsätze und einen Business Case für den Schritt geben", sagte Gumtow. "Es ist nicht immer billiger, direkt in die Cloud zu gehen." Seine Behörde ging offenbar im grossen Stil in die AWS-Cloud und hat dabei rechnen gelernt.
 
Die neue CIA-CIO Juliane Gallina stimmte ihm auf dem Podium zu. "Ich glaube, es gibt einen Mythos, dass der Wechsel in die Cloud immer billiger ist." Der CIA hat insbesondere festgestellt, dass die Kosten für das Refactoring von Code oft "unvorhersehbar" seien. Auch eine simple Lift-and-Shift-Migration bringe "suboptimale" Renditen, sagte sie. Aber sie stellte nicht nur finanzielle Renditen in Frage. "Wie quantifiziert man den Nutzen auf Einsatz-Ebene?", fragte Gallina.
 
Positiver fällt die Kosten-Nutzen-Rechnung der National Geospatial-Intelligence Agency aus, welche kartografische Auswertungen und Aufklärung macht. Für sie sei die Cloud sehr effektiv, so CIO Mark Andress.
 
Damit den Geheimdiensten mit dem Gang in die Cloud nicht bloss unvorhergesehene Kosten erwachsen, gibt es seit kurzem einen gemeinsamen "strategischen Plan" als Basis der Entwicklung. Dieser sieht ein interoperables Cloud-Ökosystem vor, das aus Regierungs- und kommerziellen Clouds besteht und vom Core bis zum Edge reicht.
 
Sieht man das Papier durch, so zeigt sich rasch, dass für ein nahtloses Zusammenspiel der Geheimdienste in der Cloud noch manches fehlt, darunter technische Standards, einheitliche Beschaffungsprozesse oder auch Prinzipien für die rollen- und rechtebasierte Datennutzung.
 
Nichtsdestotrotz versprechen sich die Geheimdienste grossen Nutzen, wenn die Strategie dereinst umgesetzt wird: "Die Modernisierung unseres Cloud Computing wird bei Einsätzen und den Nutzern innovative Funktionen bieten, wo und wenn nötig. Diese Fähigkeiten werden auch unsere Flexibilität erhöhen sowie eine bessere Nutzung von Daten ermöglichen. Darüber hinaus kann die Nutzung mehrerer kommerzieller Cloud-Anbieter die Innovation und das Tempo des Deployments fördern." Das Strategiepapier ist zum Download als PDF verfügbar. (mag)