"Digitale Trans­formation ist keine Zeit­ver­schwendung"

Führungskräfte sehen die digitale Transformation positiv, so eine Studie. Doch mangelnde Adaptionsbereitschaft ihrer Teams, Kosten und Umsetzungszeiten bremsen.
 
Die digitale Transformation könne auf Unternehmen zuerst überwältigend erscheinen, wobei Personalfragen die grösste Hürde darstellen. So ein Fazit einer Studie von Wipro Digital, der Abteilung für digitale Services und Beratung des indischen IT-Dienstleisters.
 
Nachdem die Vorgängerstudie 2017 noch eine Führungskrise bei der digitalen Transformation betont hatte, herrsche nun "weitgehende Einigkeit, dass digitale Transformationsprojekte auf keinen Fall Zeitverschwendung sind". Und es herrscht Selbstbewusstsein in den Führungsetagen: 90 Prozent der weltweit befragten Manager sind der Meinung, dass ihre Unternehmen erfolgreich im Einklang mit ihren digitalen Transformationsstrategien agieren. In der Schweiz sind es ebenfalls 90 Prozent.
 
Weltweit glauben 94 Prozent der Befragten, dass in ihren Unternehmen Einigkeit darüber herrsche, was digitale Transformation bedeute (Schweiz: 98 Prozent). 2017 gab noch jeder Vierte ein mangelndes Verständnis als Hindernis für den Erfolg an. Die Studie schliesst daraus, dass die Frage für Führungskräfte nicht mehr sei, "ob, warum oder wann sie ein digitales Transformationsprogramm durchführen sollen, sondern wie sie es erfolgreich umsetzen können".
 
Umsetzung dauert bis zu drei Jahre
Als Antrieb für die Transformation werden zuerst die Steigerung des Umsatzwachstums genannt, gefolgt von der Verbesserung der Marktagilität und der Erschliessung neuer Marktsegmente, der Modernisierung der bestehenden IT-Systeme und schliesslich das Reagieren auf sich änderndes Kundenverhalten. Im EU-Raum inklusive Schweiz glauben 10 Prozent, dass sie mit den angestrebten Umsetzungen "sehr", 78 Prozent, dass sie "recht erfolgreich" sein werden.
 
Trotz dieser positiven Sicht listet die Studie einige Hürden und Probleme bei der Umsetzung von Digitalprojekten auf: So gibt die Hälfte der Schweizer Führungskräfte (weltweit: 56 Prozent) an, nicht in der Lage zu sein, ihre bestehenden Teams dazu zu bringen, neue Technologien, Methoden oder Prozesse zu nutzen. Bemängelt wird auch die lange Zeit, bis messbare Geschäftsergebnisse der digitalen Transformation erkennbar werden. Für 46 Prozent in der Schweiz dauert es bis zu drei Jahre.
 
Kritik an der Führungsebene
Erstaunlich gross ist in der Schweiz die Kritik an der Führungsebene: 70 Prozent gaben an, von dort nur mangelhaft unterstützt zu werden (weltweit: 56 Prozent). 40 Prozent erklärten, dass sie von Mehrkosten überrascht wurden und sich nach neuen Finanzierungsquellen für Transformationsprogramme innerhalb des Unternehmens umsehen müssen. Weiter schreibt Wipro zu einer möglichen Ursache für Probleme: "Je länger ein Unternehmen eine digitale Transformationsphase durchläuft, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Entwicklung der Technologie hier die Umsetzung bremst."
 
Als Haupthindernisse im Bereich Technologie gaben 42 Prozent im EU-Raum an, es werde zwar investiert, aber man nütze die Technologie nicht effizient. 39 Prozent sagten, ihr Unternehmen habe keine ausreichende Agilität entwickelt. Für 34 Prozent ist die technologische Infrastruktur ungenügend.
 
Transformation jetzt starten
"Führungskräfte müssen ihre Geschäftseinheiten dabei unterstützen, sich an neue Technologien, Methoden oder Prozesse anzupassen und diese zu nutzen", sagt Rajan Kohli, Präsident Wipro Digital, zur Studie. "Sie müssen ihre Unternehmensvorstände und C-Suite auf dem Laufenden halten und sich mit Störungen, neuen Arbeitsweisen und einer Neuausrichtung ihrer Strategie vertraut machen, wenn sich neue Erkenntnisse einstellen." Es sei noch nicht zu spät, um ein digitales Transformationsprogramm zu starten. "Aber das Fenster der Möglichkeiten schliesst sich."
 
Für die Studie "Digital Transformation" befragte Wipro online und per Telefon weltweit 1400 Chief Officers bei Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Aus der Schweiz nahmen 50 Führungskräfte an der Umfrage teil. (paz)