Forscher feiern Durch­bruch – KI darf in die High School

Das System kann Sprach­verständnis und Logik mit Computer Vision verbinden, um eine Prüfung zu bestehen.
 
Ein KI-System hat einen Test bestanden, der normalerweise von Achtklässlern durchgeführt wird, um ihr naturwissenschaftliches Verständnis zu überprüfen. Das Allen Institute für Artificial Intelligence, ein Forschungslabor in Seattle, hat erstmals ein entsprechendes System entwickelt. Dies berichtet die 'New York Times'. Mehr als 90 Prozent der Fragen habe das System richtig beantworten können. Und auch den Wissenschaftstest für Zwöfltklässler habe die KI mit immerhin 80 Prozent richtigen Antworten bestehen können.
 
Das Aristo genannte KI-System zeige die Fortschritte auf, die Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz erreicht haben. Das Aristo-Projekt geht auf einen Wettbewerb von vor vier Jahren zurück. 700 Wissenschaftler beteiligten sich damals an einem Wettbewerb, eine KI zu entwickeln, die eben diesen Schultest bestehen sollte. Keine einzige habe es geschafft, schreibt die US-Zeitung.
 
Insbesondere Verbesserungen im Bereich von Natural Language Processing (NLP) hätten zum Ergebnis beigetragen. Maschinen würden immer besser darin, Dokumente zu analysieren und Fragen zu beantworten. Beim Test wurden der KI ausschliesslich Multiple-Choice-Fragen vorgelegt. Fragen, die Bilder und Diagramme enthielten wurden weggelassen. Dennoch muss die KI, um die Fragen zu beantworten, Sprachverständnis und Logik mit Computer Vision verbinden.
 
Liebesromane und Wikipedia-Artikel
Die Arbeiten an Aristo begannen laut Bericht im Jahr 2013, kurz nachdem das Labor von Microsoft-Mitgründer Paul Allen ins Leben gerufen wurde. Aristo – der "digitale Aristoteles" – baut auf einem von Google entwickelten System namens Bert auf. Bert wurde mit tausenden von Wikipedia-Artikeln, Liebesromanen und Science-Fiktion-Literatur trainiert. Durch die Analyse der Texte habe die Software gelernt, ein fehlendes Wort in einem Satz zu erraten. Im Zuge dieses Trainings, habe Bert auch gelernt, wie Sprache konstruiert sei. Am Allen Institute sei Bert mit einer Vielzahl von Fragen und Antworten weiter trainiert worden.
 
Die Forscher hätten mit Aristo eine Alternative zu typischen KI-Systemen schaffen wollen, die sich auf Spiele wie Schach konzentrieren oder Aufgaben lösen, die speziell für sie erstellt wurden, so der Bericht. Ein naturwissenschaftlicher Test sei nicht allein durch das Erlernen von Regeln meisterbar. Er erfordere, dass Verbindungen mit Hilfe von Logik hergestellt würden.
 
Dennoch betonen die Wissenschaftler gegenüber der US-Zeitung, dass Software noch weit davon entfernt sei, natürliche Sprache wirklich zu verstehen – geschweige davon, "echte" Intelligenz zu simulieren. Der Leiter des Allen Institutes freut sich trotzdem über den Erfolg. Die Entwicklungen in NLP und KI würden sich "erheblich" aufs das Business auswirken, sagt Oren Etzioni. "Was ich sagen kann – mit absoluter Sicherheit – ist, dass Sie eine ganz neue Generation von Produkten sehen werden, einige von Startups, andere von den grossen Unternehmen", wird der Labor-Chef in der US-Zeitung zitiert. Als Beispiele nennt er Suchmaschinen oder Patientendossier-Systemen in Krankenhäusern. (kjo)