Protonmail muss sich wegen Huawei-Gesprächen erklären

Der Secure-E-Mail-Anbieter Protonmail sieht sich plötzlich in die Huawei-Kontroverse miteinbezogen. Dies nachdem 'Bloomberg' einen Artikel publizierte, der "Huawei beschäftigt sich auf der Suche nach einer Gmail-Alternative mit Protonmail".
 
Protonmail befinde sich in Gesprächen mit Huawei, folgert 'Bloomberg' und schreibt: "Der Service des Schweizer Unternehmens könnte auf zukünftigen mobilen Huawei-Geräten vorinstalliert oder in seinem App Store AppGallery angeboten werden, sagte Andy Yen, Chief Executive Officer von Protonmail. Das Unternehmen habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, seinen Service via Huawei anzubieten."
 
Da man diese Formulierung als Partnerschafts-Verhandlungen interpretieren kann, sah sich der Protonmail-CEO nun zum Widerspruch bemüssigt. Das sei eine Fehlinterpretation, so Yen in einem Blogbeitrag. "Protonmail 'partnert' nicht mit Huawei. Wir erwägen einfach, Protonmail von Menschen mit Huawei-Geräten nutzen zu lassen. Das ist etwas ganz anderes", schrieb der CEO.
 
Auslöser der 'Bloomberg'-Story war ein Blogbeitrag von Protonmail, welcher besagt, dass man alternative App-Stores für Android suche. Man plane, die Protonmail-Android-Apps auf F-Droid zu veröffentlichen, und betrachtete den Samsung Galaxy Store, den Amazon App Store und die Huawei AppGallery als alternative Vertriebskanäle. Speziell letzterer sei zentral für User in Entwicklungsländern mit grosser Verbreitung von Huawei-Geräten, hatte der CEO gebloggt.
 
In der nachträglichen Präzisierung heisst es nun: "Heute ist Protonmail bereits auf Huawei verfügbar, da unsere Android-App auf Huawei-Geräten über den Google Play Store vertrieben wird, so dass es in Bezug auf die Unterstützung von Huawei-Geräten keine Änderung gegenüber der aktuellen Situation gibt".
 
Beim Rest handle es sich um Optionen und Ideen, nicht um Tatsachen. "Was sich ändert, ist, dass wir nicht nur Protonmail den Huawei-Nutzern über Google Play zur Verfügung stellen, sondern auch Protonmail über die Huawei AppGallery zur Verfügung stellen können."
 
Im Übrigen sei Protonmail auch nicht von der chinesischen Gesetzgebung beeinflussbar. Man habe niemanden vor Ort in China und man sei als Schweizer Firma einzig den Schweizer Gesetzen verpflichtet. Zudem bleibe man bei der Strategie, dass man sein Produkt möglichst allen Menschen anbieten wolle, inklusive allen Huawei-Usern. (mag)