Menstruations-Apps geben intime Daten an Facebook weiter

Facebook erfährt Details über die Gesundheit und den Sex von Nutzerinnen. Wir haben dazu auch beim Schweizer Anbieter Ava nachgefragt.
 
Die britische NGO Privacy International (PI) hat einen ausführlichen Test darüber veröffentlicht, wie Menstruations-Apps mit den Daten ihrer Nutzerinnen umgehen und mit wem sie diese teilen. Dabei stellte PI fest, dass gewisse Apps intime Daten insbesondere an Facebook weitergeben.
 
Menstruations-Apps sammeln einige der intimsten Daten: allgemeine Angaben zur Gesundheit wie Blutdruck oder Schlafstörungen, zur Ernährung, in welcher Stimmung eine Nutzerin ist und welche Verhütungsmittel sie anwendet, bis hin zu Informationen über Sex.
 
PI testete mehrere Apps und stellte fest, dass einige Daten an Facebook weitergeben, sobald eine Nutzerin die App öffnet. Dies geschehe unabhängig davon, ob die Benutzerin ein Facebook-Konto hat oder nicht, und ob sie bei Facebook angemeldet ist oder nicht.
 
Diese Freigabe erfolgt über das Facebook Software Development Kit (SDK), mit dem Anwendungen für ein bestimmtes Betriebssystem entwickelt werden können. App-Anbieter nutzen das SDK etwa, um Werbetreibende zu erreichen, die wiederum den Nutzern personalisierte Anzeigen zur Verfügung stellen. Auch mit anderen Unternehmen wie etwa AppsFlyer würden Daten geteilt.
 
Gemäss PI geben die drei mit über zehn Millionen Downloads bei Google Play beliebtesten Menstruations-Apps Period Tracker, Period Track Flo und Clue Period Tracker keine Daten an Facebook weiter. Andere hingegen sehr wohl, so Maya von der indischen Firma Plackal Tech (fünf Millionen Downloads bei Google Play), MIA von Mobapp Development Limited aus Zypern (eine Million Downloads) und My Period Tracker von Linchpin Health (über eine Million Downloads) sowie einige Apps mit weniger Downloads.
 
Schweizer Anbieter Ava gibt keine Daten weiter
Das weltweit tätige Zürcher Startup Ava bietet ebenso einen Menstruationstracker an in Form eines Armbands und der App "Ava Fertility-Tracker" mit mehr als 50'000 Downloads im Google PlayStore. Ava verwende das Facebook SDK nicht, erklärte die Firma auf Anfrage von inside-it.ch.
 
"Wir verkaufen oder geben keine Gesundheitsdaten an Facebook oder andere Dritte weiter", betont Ava. "Wir verwenden aggregierte Benutzerdaten, wenn die Nutzerin zustimmt, für unsere eigene Menstruationszyklusforschung. Der Verkauf von Daten ist nicht Teil unseres Geschäftsmodells und wird es auch niemals sein."
 
"Für das einwandfreie Funktionieren unerlässlich"
"Nicht die Nutzerinnen sollen sich darüber sorgen müssen, mit wem die App, die sie ausgewählt haben, die Daten teilt, sondern die Verantwortung soll bei den Unternehmen liegen, ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen", erklärt Privacy International in einer Zusammenfassung der Analyse. Zudem würden die Ergebnisse ernsthafte Bedenken darüber aufwerfen, wie solche Apps mit der allgemeinen Datenschutzverordnung der EU übereinstimmen.
 
'BBC' kontaktierte die drei von PI kritisierten Anbieter. Während MIA und My Period Tracker keinen Kommentar abgaben, antwortete Maya: "Alle Daten, auf die Maya zugreift, sind für das einwandfreie Funktionieren des Produkts unerlässlich. Die Vorhersage von Informationen über Menstruationszyklen ist komplex und von Tausenden von Variablen abhängig. Unsere Nutzer werden vor der Anmeldung bei Maya über unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung informiert. Nach der Registrierung können unsere Benutzer ihre Daten exportieren und ihr Konto löschen, wann immer sie wollen."
 
Facebook verweist auf Nutzungsbedingungen
Bereits zuvor hatte Maya auf eine Anfrage von PI reagiert und mitgeteilt, man habe "sowohl das Facebook Core SDK als auch das Analytics SDK von Maya entfernt", wobei diese Änderungen fast sofort in Kraft treten sollen. Das Facebook Ad SDK werde weiterhin für diejenigen verwendet, die den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und der Datenschutzerklärung zugestimmt hätten. Es würden aber keine "persönlich identifizierbaren oder medizinischen Daten" weitergegeben.
 
'BBC' konfrontierte auch Facebook mit den Ergebnissen der PI-Analyse. Dort hiess es: "Unsere Nutzungsbedingungen verbieten es Entwicklern, uns sensible Gesundheitsinformationen zu senden, und wir setzen diese Bedingungen durch, wenn wir erfahren, dass sie es trotzdem tun." Facebook hatte im August angekündigt, ein Tool für Benutzer zu starten, mit dem Apps und Unternehmen daran gehindert werden können, ihre Daten mit dem sozialen Netzwerk zu teilen. (Philipp Anz)