KI-basierte Über­wachungs­technologie verbreitet sich immer schneller

Ein Index zeigt, in welchen Staaten sich Gesichtserkennung und ähnliches ausbreitet und wer sie liefert. Auch die Schweiz ist Thema.
 
China ist Vorreiter beim Einsatz von KI für die Überwachung von Bürgern. Eine wachsende Anzahl von Ländern folgt China und dies in immer schnellerem Tempo, so der Bericht einer Forschungsgruppe, der nun veröffentlicht wurde.
 
Laut den Forschern des Think Tanks Carnegie Endowment for International Peace nutzen mindestens 75 Länder aktiv KI-Tools, darunter Gesichtserkennung, zur Überwachung. Darunter ist auch die Schweiz.
 
Der Bericht "The Global Expansion of AI Surveillance" strukturiert die Erkenntnisse aus öffentlich zugänglichen Informationen aus 176 Ländern empirisch, zum Teil sind die Quellen Medienberichte, andere sind Investor-Briefing-Präsentationen, Corporate Websites und andere mehr. Alles wird in einem "AI Global Surveillance Index" (AIGS) ausgewertet.
 
Der AIGS besagt, dass China weltweit ein wichtiger Treiber für die KI-Überwachung ist, aber auch Firmen aus Japan, Frankreich, Deutschland, Israel und den USA sind wichtige Anbieter.
 
Zweitens gelte: "Liberale Demokratien sind wichtige Nutzer der KI-Überwachung. Der Index zeigt, dass 51 Prozent der fortgeschrittenen Demokratien KI-Überwachungssysteme einsetzen."
 
Drittens muss man differenzieren: "Regierungen in autokratischen und halb-autokratischen Ländern sind anfälliger für den Missbrauch der KI-Überwachung als Regierungen in liberalen Demokratien."
 
Globale Spitzenreiter beim Einsatz der Technologie sind die USA, gefolgt von China und Saudi-Arabien.
 
Dabei setzen etablierte, demokratische Regierungen unterschiedliche Überwachungstechnologien ein, von Safe-City-Plattformen bis hin zu Gesichtserkennungs-Kameras. "Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Demokratien diese Systeme missbrauchen. Der wichtigste Faktor, der bestimmt, ob Regierungen diese Technologie für repressive Zwecke einsetzen, ist die Qualität ihrer Governance", halten die Autoren fest.
 
Die Schweiz hat sowohl im Smart-City-Bereich als auch bei Gesichtserkennung Überwachungstechnologie im Einsatz, zeigt der Nationenindex. Insbesondere ist die biometrische Passkontrolle am Flughafen Zürich aufgeführt und der Verein Smart City Hub Schweiz mit Public-Private-Projekten. Aber auch IBM-Hoffnungen auf den Markt in Zürich sind in die schweizbezogenen Informationen eingeflossen, ebenso die Existenz des Google AI Teams in Zürich.
 
Ein Vorreiter oder sonstwie herausragendes Beispiel ist die Schweiz laut dem AIGS nicht.
 
Unter dem Begriff "Smart City" ist aber KI speziell verbreitet, da immer mehr Behörden Sensoren, Kameras und anderen internetfähige Devices nutzen, um Informationen zu sammeln und miteinander zu kommunizieren. 56 Länder haben die Autoren gezählt, welche solche Technologie im Einsatz haben.
 
Der Bericht besagt, dass chinesische Technologieunternehmen einen Grossteil der KI-Überwachungstechnologie in Länder auf der ganzen Welt liefern. Marktführer seien Huawei, Hikvision sowie Dahua und ZTE. Die wichtigsten Mitbewerber sind die japanische Firma NEC sowie IBM, Palantir und Cisco.
 
Die Technologie-Recherche ergab für die Schweiz keinen Einsatz von Produkten aus China oder von US-Anbietern. Der relevanteste Player hierzulande ist laut den Autoren der türkische Anbieter Ekin Safe City Technologies, der mit der Schweizer Polizei als Referenzkunde wirbt.
 
Carnegie Endowment for International Peace ist ein globaler Think Tank mit Standorten in Beirut, Brüssel, Moskau, New Delhi, Peking und Washington. Laut Eigenangaben beschäftigt die Organisation über 100 Experten in 20 Ländern.
 
Der Report ist online verfügbar. (mag)