Seco erteilt 33-Millionen-Zuschlag für Datawarehouse der ALV

"Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung DWH-Plattform und BI-Anwendungen des Seco/ALV", war die Ausschreibung übertitelt. Nach einem selektiven Verfahren ist nun der Zuschlag erfolgt. Es ist klar, wer im Bereich Datawarehouse (DWH) und Business-Intelligence mit der Arbeitslosenkasse (ALV) ab 1.1.2020 den Betrieb, die Wartung und den Support sowie Weiterentwicklungen und Projekte umsetzt.
 
Es ist Saracus Consulting aus Baden-Dättwil, ein Dataware-Housespezialist und der bisherige Auftragnehmer, dessen Vertrag Ende 2019 ausgelaufen wäre.
 
Die Firma erhielt den Zuschlag für rund 33 Millionen Franken inklusive Optionen. Der Grundauftrag beträgt dabei rund 730'000 Franken für die Erstellung einer Organisations- und Prozessbeschreibung des DWH-Betriebs (Plan, Build, Run) sowie Wartung und Support der Plattform bis 2021.
 
Angebote hatte es zwei gegeben laut Simap, drei hätten sich nach einem vorgängigen Verfahren theoretisch qualifizieren können.
 
Bei den Zuschlagskriterien wurde Qualität mit 70 Prozent gewichtet, die grössten Brocken hier waren die Ergebnisse eines PoC (u.a. Analyse der bestehenden Umgebung, Einrichten von Incident-Überwachungen) sowie ein Team-Assessment. Es wurden aber auch Kenntnisse der aktuellen Kernsoftware (Greenplum, heute ein Teil von Pivotal) gewichtet.
 
Als Option ausgeschrieben wurden Weiterführung Betrieb, Wartung und Support der DWH-Plattform danach und bis 2031 sowie ein Stundenpool für Projekte und die Möglichkeit, dass das Seco/ALV einen Technologiewechsel der Kern-Software vornehmen könnte.
 
Übrigens: Trotz der nationalen Ausstrahlung ist die Projekt- und Verfahrenssprache Deutsch.
 
In den Ausschreibungsunterlagen heisst es: "Die Firma Saracus war weder an der Vorbereitung noch an der Ausgestaltung der vorliegenden Ausschreibungsunterlagen beteiligt. Der bisherige Leistungserbringer hat keine Vorteile bei einer allfälligen Bewerbung. Er wird für diese Ausschreibung zugelassen und kann bei Interesse einen Antrag zur Teilnahme einreichen."
 
Dieses Seco/ALV-Projekt ist von speziellem Interesse nicht zuerst wegen der möglichen anfallenden Kosten oder diesem Zuschlag. Sondern weil die Arbeitslosenversicherung im DWH-Bereich mit zwei öffentlich bekannten Lösungen arbeitet, dem Arbeitsvermittlungssystem AVAM sowie dem Auszahlungssystem ASAL. Die Daten aus den beiden Systemen werden im Data Warehouse für die Analyse von Arbeitsmarktdaten (LAMDA), die Arbeitsmarktstatistik und weitere Anwendungen aufbereitet.
 
Die Informatik bei der ALV geriet mehrfach in die Schlagzeilen: Das IT-Grossprojekt ASALneu musste abgebrochen werden, der Nachfolger ist noch nicht umgesetzt. Unvergessen sind daneben eine Bestechungsaffäre (mit Entlassungen, IT-Firmenschliessung und Reorganisation). Zudem gab es Kritik an der IT-Lösung AVAM und dem Matching von arbeitslosen Inländern und offenen Stellen ("Inländervorrang wegen IT nicht umsetzbar"). (mag)