15 Jahre Inside-it.ch: So kann man sich täuschen

Der Moment der Firmengründung. Christoph Hugenschmidt (l.) und Hans Jörg Maron (mitte).
Ein kleiner Rückblick auf unser Schaffen. Von Hans Jörg Maron.
 
Heute, ja genau heute haben unsere Newssites inside-it.ch und inside-channels.ch Geburtstag. Den fünfzehnten, um genau zu sein. Eigentlich ist das doch gar nicht so lange, finden Sie? Eine halbe Ewigkeit für uns. Und fünfzehn Jahre online sind ungefähr vierzehneinhalb Jahre mehr, als uns Medien- und Branchenexperten damals vorhergesagt haben. So kann man sich täuschen, nicht wahr?
 
Aber warum haben wir, die beiden Journalisten Christoph Hugenschmidt und ich, uns 2004 überhaupt dazu entschlossen, unser Projekt zu starten, unseren Verlag, die Huron AG, zu gründen? Wir glaubten, dass IT-Entscheider, IT-Professionals und die IT-Branche eine Hersteller-unabhängige Informationsquelle brauchen. Im damals immer noch lauten Nachhallen des Platzens der Internetblase, so empfanden wir, hatten sich die IT-Publikationen, unter Druck wegen fehlenden Werbeaufträgen, immer mehr von dieser Hersteller-unabhängigkeit wegbewegt.
 
Unser Ziel war auch eine ICT-Zeitschrift im Internet, die sich tagesaktuell intensiv um die Schweizer Szene kümmert. Und die sich inhaltlich weniger um Technologie, denn um Menschen, Ideen, wirtschaftliche Vorgänge und gelegentlich auch "Unfälle und Verbrechen" und etwas Unterhaltung dreht.
 
Und wir wollten beweisen, dass eine reine Online-Publikation, finanziert durch Werbung, aber trotzdem inhaltlich unabhängig, kommerziell erfolgreich sein kann. Dazu, dass uns dies gelang, haben uns im Laufe der Zeit viele tolle Mitarbeitende geholfen: Unsere zu früh verstorbene erste Buchhalterin Katharina Falkenstein. Ebenso hilft ihre Nachfolgerin und Mitaktionärin Gaby Jaussi, die seit 14 Jahren an Bord ist.
 
In der Redaktion Maurizio Minetti, der zehn Jahre lang bei uns war und vom Praktikanten zum redaktionellen Leiter aufstieg. Die Journalisten "Blogging Tom" Thomas Brühwiler, Klaus Hauptfleisch, Thomas Mironiuk, Amir Ali, Philipp Kropf, Hanna Lauer, Linda von Burg, Simon Colin. Und natürlich unser aktuelles Line-up in der Redaktion: Chefredaktor Marcel Gamma, Katharina Jochum, Thomas Schwendener und Volker Richert.
 
Und last but not least unsere Sales-Leute Markus Stotz, dann Gianluca Agostiniello, dann Roberto Troisi, und gleichzeitig von Anfang an und auch jetzt wieder Christoph Hugenschmidt persönlich. Sie hatten konstant die schwierige Aufgabe, unseren Kunden aus der IT-Industrie genügend Werbeaufträge zu entlocken, um unsere Redaktion zu ernähren, und ihnen gleichzeitig zu erklären, dass wir deshalb weder positiver noch negativer über sie berichten würden. Und sie haben es fünfzehn Jahre lang geschafft!
 
Ein historischer Rückblick darauf, was in 15 Jahren in der Schweizer ICT-Szene alles passiert ist, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. So viele Menschen sind gekommen und gegangen. So viele Unternehmen wurden aufgekauft, fusioniert, wieder aufgeteilt. Und so viele Unternehmen neu gegründet. Eine riesige Finanzkrise wurde überstanden.
V.l.n.r.: Roberto Troisi (langjähriger Verkaufsleiter), Gabi Jaussi (Buchhaltung), Thomas Schwendener (Redaktor), Volker Richert (Redaktor), die beiden Gründer Christoph Hugenschmidt (Geschäftsführer) und Hans Jörg Maron; Katharina Jochum (Redaktorin) und Marcel Gamma (Redaktionsleiter). (Bild: 2016)
Rahmenbedingungen und Gesetze wurden geändert. Viele viele IT-Projekte wurden erfolgreich durchgezogen. Und manche crashten ziemlich spektakulär.
 
Im Laufe der Zeit kamen und gingen eine Unzahl von ICT-Trends, -Technologien und -Hypes über die wir uns jeweils die Köpfe zerbrachen.
 
Hier zum Schluss noch eine komplett unrepräsentative Auswahl von solchen Themen, über die wir uns in den letzten 15 Jahren den Kopf zerbrochen haben.
 
2007 war Second Life ein furchtbar heisses Ding. Second-Life-Experten und -Consultants schossen wie Pilze aus dem Boden. Und alle wussten ganz genau: Unternehmen, die Second Life ignorieren, werden nicht lange überleben. So kann man sich täuschen.
 
Uns hingegen ging es trotz des ganzen Getöses nicht so recht in den Kopf, wo denn der Business-Nutzen von Second Life und anderen virtuellen Welten liegen sollte. (Wenn es nicht um Games geht.) Und so haben wir Second Life, so weit es ging, ignoriert, zumindest solange wir uns nicht darüber lustig gemacht haben.
 
2007 war noch etwas anderes heiss. Wie hiess es noch gleich? Ah, ja, das iPhone. Zu seinem Launch publizierten wir zwar einen recht euphorischen Artikel, aber der eigentliche Redaktionskonsens bei uns war: Schicki-Micki-Teil, kein Business-Nutzen, wird sang und klanglos wieder verschwinden. So können auch wir uns täuschen!
 
An die Versprechungen von ERPII haben wir nie so richtig glauben können. In-Memory-Datenbanken und -Computing fanden wir dagegen von Anfang an eine ziemlich schicke Idee. OK, 2012 war man generell nicht mehr so begeistert, aber später haben sie den Einzug in die Real-IT ziemlich gut geschafft.
 
Dann gab es auch Technologien, auf die wir erst so richtig aufmerksam wurden, wenn uns auffiel, dass Geschichten darüber offenbar auf grosses Interesse bei unseren Lesern stiessen. BYOD, Hadoop oder Container waren solche Sachen. Ging vielleicht etwas länger, bis diese Themen bei uns auftauchten. Aber wir lassen uns auch gerne von unseren Lesern bekehren!
 
Das Wort Cloud konnte man bei uns zum ersten Mal im August 2006 lesen. Seither war die Cloud ein Thema in 2907 weiteren Artikeln auf inside-it.ch. Und es werden wohl noch ein paar mehr werden.
 
Und welche Technologien bewegen uns heute? Künstliche Intelligenz, Big Data, Analytics, Internet oft Things, Blockchain, DevOps, Digitalisierung, Security. Ja, die Liste ist nicht besonders originell. Ja, das sind alles Hype-Themen. Schlagwörter, die man so oft hört, dass sie auch einmal gewaltig nerven können. Aber wenn man deswegen glauben würde, sie seien unwichtig, würde man sich gewaltig täuschen. (Hans Jörg Maron)