Telco-Branche und US-Kongress sorgen sich wegen DNS-over-HTTPs

Googles Pläne, ein neues Internet-Protokoll zu verwenden, haben Bedenken seitens des House Judiciary Committee, einem Ausschuss des Repräsentantenhauses der USA, geweckt. Der Ausschuss sorgt sich, dass dieses dem Tech-Giganten einen unfairen Vorteil im Wettbewerb verschaffen könnte. Der Standard DNS-over-HTTPs (DoH) soll bereits im nächsten Monat mit Usern von Chrome getestet werden.
 
Der neue Standard soll die Privatsphäre und Sicherheit dadurch verbessern, dass die DNS-Auflösung verschlüsselt über HTTPs erfolgt, verspricht sich Google. Auch soll es schwerer werden, Websites zu fälschen.
 
Allerdings würden Internet Service Providers (ISPs) von den DNS-Surfdaten ausgeschlossen, was Google einen unfairen Vorteil verschaffen könnte. Dies würde "kritische Internetfunktionen beeinträchtigen und Fragen des Datenwettbewerbs aufwerfen", halten grosse Telco-Branchenverbände aus den USA in einem Brief an den Kongress fest.
 
"Google hat keine Pläne, die Chrome-User standardmässig auf Googles DNS-Server umzustellen oder zu ändern. Jede Behauptung, dass wir versuchen, der zentralisierte verschlüsselte DNS-Anbieter zu werden, ist unzutreffend", wehrt sich ein Google-Sprecher gegenüber 'Ars Technica'.
 
Ab Version 78 von Chrome soll der Browser prüfen, ob der aktuelle DNS-Anbieter des Benutzers zu einer Liste von DoH-kompatiblen Anbietern gehört. Falls dies gegeben ist, soll auf den DoH-Dienst desselben Anbieters upgegradet werden. Sei der DNS-Anbieter nicht auf der Liste, arbeite Chrome weiter wie bislang, versichert man seitens Google.
 
Firefox unterstützt bereits seit Frühling mit der Version 62 DoH. Und bei Mozilla ist das Rollout etwas aggressiver geplant: Alle Benutzer sollen schrittweise auf DoH umgestellt werden; wenn der vorhandene Provider dies nicht anbietet, soll Cloudflare zum DNS-Anbieter werden – unabhängig von den DNS-Einstellungen des Betriebssystems des Users. Allerdings hat Firefox nur gerade einen einstelligen Marktanteil, in der Schweiz laut Statista 9,8 Prozent, und ist kein eigener grosser DNS-Anbieter.
 
Die ISPs, die sich beim US-Kongress beschwert haben, dürfte aber insbesondere etwas zweites stören: DoH verhindert, dass die ISPs Filter auf DNS-Ebene einsetzen. So hebelt etwa die Einführung von DoH bei Firefox die in der Schweiz gültigen DNS-basierten Sperren für Online-Casinos aus. Zudem können die Anbieter nicht mehr so einfach den DNS-Verkehr ausspionieren. Es würde deutlich schwerer, Kundenanfragen zu überwachen und auch zu ändern, verunmöglicht würde es schliesslich, wenn die Kunden zu DNS-Servern von Drittanbietern wie Google oder Cloudflare wechseln.
 
Das House Judiciary Committee will nun erstmal Einzelheiten erfahren, unter anderem, ob Google die erfassten Daten für kommerzielle Zwecke nutzen wolle. (ts)