EDÖB: Spitäler welt­weit sind häufiges Ziel von Hacker­angriffen

Die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) warnt IT-Verantwortliche in der Gesundheitsbranche vor einer Reihe von Security-Schwachstellen. Die als Urgent/11 bezeichneten Lücken könnten es einem Angreifer ermöglichen, aus der Ferne die Kontrolle über ein Produkt zu übernehmen und seine Funktion zu ändern, Denial-of-Service zu bewirken oder die Funktion eines Geräts zu verhindern, schreibt die FDA. Auch könnten sensible Informationen gestohlen werden.
 
Urgent/11 liege eine Schwachstelle in einer Drittsoftware, genannt IPnet, zugrunde. Diese Software sei Teil mehrerer Betriebssysteme und könne in andere Softwareanwendungen, Geräte und Systeme integriert werden, schreibt die FDA. Die Software werde in einer Vielzahl von medizinischen und industriellen Geräten verwendet. Die Behörde listet unter anderem VxWorks von Wind River, ThreadX von Microsoft oder ZebOS von IP Infusion. Die Hersteller hätten teilweise Updates ausgerollt, um die Lücken zu schliessen, schreibt die 'NZZ am Sonntag'. Und die FDA fordert die Hersteller auf, "wachsam zu bleiben, wenn es um ihre Medizinprodukte geht", heisst es in der Mitteilung. Auch bittet sie um "eine proaktive Offenlegung von Schwachstellen und deren Beseitigung."
 
Vergangene Woche wurde eine Serie von Hackerangriffen auf amerikanische Spitäler bekannt. Krankenhäuser in Alabama mussten deswegen Patienten abweisen. "Internationale Untersuchungen zeigen, dass Spitäler zu den häufigsten Zielen von Cyberangriffen gehören. Sie sind laufend Zielscheibe solcher Attacken", wird Adrian Lobsiger, der Datenschutzbeauftragte des Bundes (EDÖB) in der 'NZZ am Sonntag' zitiert.
 
In der Schweiz müssten Spitäler Cyberangriffe der Aufsichtsbehörde Swissmedic melden, falls ein "schwerwiegendes Vorkommnis entsteht", sagt Sprecherin Danièle Berset der Zeitung. Bisher habe die Behörde keine Meldung über Cyberangriffe auf Schweizer Spitäler erhalten. Wie im Bericht betont wird, erlaube die Meldepflicht einen gewissen Handlungsspielraum. Dass keine Zwischenfälle gemeldet wurden, bedeute nicht zwingend, dass Angriffe bisher ausgeblieben seien. (kjo)