Google wollte Gewerk­schafts-Treffen in Zürich verhindern

Ein Treffen der "Zoogler" mit der Gewerkschaft Syndicom erregte Misstrauen beim Management. Man organisiere Treffen zu arbeitsrechtlichen Themen lieber selbst.
 
Eine Gruppe von mehreren Dutzend Mitarbeitenden von Google in Zürich hat sich gestern getroffen, um über Arbeitsrechte und die Möglichkeiten einer Gewerkschaftsbildung zu diskutieren. Das Treffen wurde von Zürcher Google-Mitarbeitenden organisiert. Für einen Vortrag eingeladen waren Vertreter von Syndicom, die über Gewerkschaften in der Schweiz referiert haben. Offenbar aber, habe das hiesige Google-Management zuvor versucht, das Treffen abzusagen, wie 'Recode' berichtet.
 
Vergangene Woche hätte das Management von Google in der Schweiz ein E-Mail versandt, in dem angekündigt gewesen sei, dass das Treffen abgesagt werden, schreibt das Online-Magazin, dem das Mail vorliegt. Google ziehe es vor, nur Veranstaltungen zu diesem Thema durchzuführen, die in Partnerschaft mit dem Leadership-Team von Google organisiert würden. Google würde einen eigenen Event mit Vorträgen über Arbeitsrecht organisieren, der "eine Vielzahl von Referenten und Perspektiven" mit sich bringe, hiess es weiter.
 
Dies aber habe viele Google-Mitarbeiter in- und ausserhalb des Zürcher Büros verärgert. Das Unternehmen würde versuchen, die Mitarbeiter daran zu hindern, ungefilterte Informationen zu Arbeitsrecht, Arbeiter-Organisationen oder Gewerkschaften zu erhalten, sagten Mitarbeitende zu 'Recode'. "Es ist enttäuschend, dass die Führung weiterhin aktiv verhindert, dass Zürichs Googler ihre Rechte kennen und ausüben, und dann auch noch versucht, dies als Unterstützung für Zusammenarbeit und gesunde Debatten zu verkaufen", zitiert das Magazin einen der Organisatoren.
 
Trotz der Mitteilung der Geschäftsleitung hätten sich die Mitarbeitenden in Räumlichkeiten von Google in Zürich getroffen. Bislang habe das Management nicht verlauten lassen, gegen diese Mitarbeitenden oder die Organisationen des Treffens vorzugehen. Auf Anfrage von 'Recode' lehnte es Google ab, den Bericht zu kommentieren. Auch eine Anfrage von inside-it.ch blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
 
Druck gegen aufmüpfige Angestellte?
Lange Zeit haben sich Tech-Angestellte – insbesondere in US-Firmen – nicht in Gewerkschaften organisiert. Doch eine wachsende Gruppe von Mitarbeitenden bei Google und auch anderen IT-Unternehmen engagieren sich immer mehr für ihre Rechte als Arbeitnehmer sowie auch bei umstrittenen Unternehmensentscheidungen. Etwa äussern sie sich öffentlich oder in internen Foren zu Themen sexueller Belästigung, Lohngleichheit oder die Beteiligung an umstrittenen Regierungsverträgen, wie auch inside-it.ch berichtete.
 
"Ich verstehe es nicht. Es sieht so aus, als hätte das Management Angst, aber vielleicht ist es nur deshalb so, weil sie nicht an die Idee gewöhnt sind, ein gewähltes Organ zu haben, das die Arbeitnehmer vertritt", sagte ein Mitarbeiter zu 'Recode'. "Ich denke, langfristig kann ein gesunder Dialog gefördert werden."
 
Brisant werde die Diskussion, wenn man bedenke, dass die überwiegende Mehrheit der Google-Mitarbeitenden in Zürich keine Schweizer Staatsbürger seie, schreibt 'Recode' mit Berufung auf ein internes Forum. Es herrsche die Befürchtung, den Aufenthaltsstatus zu verlieren, wenn man den Job bei Google verliere. "Sie können sich das Klima vorstellen, dass dies für Opfer von Belästigung oder Diskriminierung schafft, oder für Menschen, die sich für das Richtige einsetzen wollen, auch wenn dies dem Management missfällt", heisst es im Post. (kjo)