Wiener Firma erhält 39-Millionen-Auftrag als E-Gov-Partner des Bundes

Das UVEK will möglichst viel digitalisieren und harmonisieren. Für den Prestigeauftrag ging nur ein Angebot ein.
 
Der Bund führt übergreifend als "GEVER Bund" das Produkt Acta Nova ein. Das gilt auch für das UVEK, welches nach einem offenen Verfahren einen Zuschlag in diesem Umfeld erteilt hat.
 
Das Projekt heisst kryptisch "GS-UVEK Lösungspartner E-Gov" und soll für das Departement und über alle Ämter hinweg mehr Prozesse und Geschäfte durchgängig digitalisieren und Medienbrüche vermeiden. Gleichzeitig will man Individualentwicklungen und Excel-Lösungen ablösen sowie Redundanzen beseitigen. Und es soll das UVEK als "moderne Behörde etablieren", so die Verantwortlichen.
 
Elemente des Projekts sind zentrale Stammdatenhaltung für Geschäftspartner-Informationen, Single Sign-On und die Kollaborationsmöglichkeiten von UVEK-externen Kunden und Partnern sowie internen Mitarbeitenden. Ein workflowbasiertes Case bzw. Fall- und Aktivitätenmanagement gehört zu den Gesamtzielen des Departements.
 
Das Projekt soll dabei das nach aussen gerichtete Portal ebenso wie das interne "E-Gov Back-Office" verbinden als auch Systeme des Bundes (insbesondere IAM und SAP) integrieren. Schnittstellen zu Umsystemen sind ebenfalls zu berücksichtigen.
 
Der Zuschlag erfolgte nun für "Grundleistungen", den Bau der Basis des Vorhabens sowie für Teilprojekte von "Pionierämtern", nämlich dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). Und es beinhaltet Optionen genannte Weiterentwicklungen. Dazu gehören die Realisierung der "Grundfunktionen des E-Gov Back- und Front-Offices, d.h. Ämterübergreifende Realisierung (inkl. Detailspezifikation & Testing) ausgewählter Komponenten und Referenzprozesse". Hinzu kommen Schnittstellen.
 
Den Zuschlag über rund zwei Millionen Franken für den Grundauftrag sowie weitere 37 Millionen für die Optionen erhielt die Firma Rubicon aus Wien.
 
Rubicon war die einzige Unternehmung, die im offenen Verfahren überhaupt ein Angebot für den 39-Millionen-Auftrag einreichte. Die Firma erhielt laut Simap den Zuschlag, weil "der Zuschlagsempfänger hinsichtlich der qualitativen Anforderungen und des Preises überzeugt hat."
 
"Auf Basis des Produkts Acta Nova umzusetzen"
Nun taucht das Rubicon-Logo mehrfach in den Ausschreibungsunterlagen auf. Die Firma ist laut diesen nicht an der Ausschreibung beteiligt gewesen, aber war von Anfang an ein starker Siegeskandidat: Unter den verbindlichen Vorgaben definiert das UVEK "das E-Gov Back-Office ist mit GEVER BS auf Basis des Produkts Acta Nova umzusetzen." GEVER BS meint "Bundesstandard".
 
Acta Nova soll bundesweit als GEVER-Lösung eingeführt werden, und Rubicon ist der Hersteller des Produkts. Involviert in die Acta-Nova-Einführung ist bis anhin primär Atos, aber auch DXC hat ein zertifiziertes Acta-Nova-Team am Start, um ins potentielle Grossgeschäft mit der Eidgenossenschaft einzusteigen. Beide Firmen reichten aber keine Angebote ein. Ebensowenig wie Elca oder DV Bern, die bislang im UVEK tätig waren mit Lösungen, die nun beerdigt werden sollen.
 
Die Wiener führen auf ihrer Referenzliste unter "öffentliche Verwaltung" insbesondere die elektronische Abwicklung von Petitionsverfahren in Baden-Württemberg auf, zudem ein Projekt "Schengener Informationssystem in Österreich" und die Einführung von Acta Nova in Innsbruck. Die Liste hat aber auch Schweizbezug: Das Online Fundbüro Schweiz oder der "Easyfind"-Service der SBB stammen aus ihrer Küche. Nun erhält Rubicon also einen prestigeträchtigen Grossauftrag des UVEK im Markt Schweiz.
 
Gever-Kernfunktionen – Case Management inklusive Management von Aktivitäten, Unterstützung von Workflows und Business Rules, Dokumenten Management (DMS), Input- und Outputmanagement – sollen nun durch Rubicon selbst oder andere "konzipiert, realisiert, eingeführt und später gewartet, unterstützt und weiterentwickelt werden." Ebenso sind Teilfunktionen umzusetzen und Zusatzentwicklungen rund um SAP und Acta Nova. Subunternehmer sind dabei zugelassen.
 
Damit der Bau einer ersten "integrierten und repräsentativen Version der E-Gov UVEK Lösung als Basis" auch gelingt, wird man auch mit ISB, BIT, Bundeskanzlei und dem IT-Dienstleister des Wirtschaftsdepartements, ISCeco, zusammenarbeiten.
 
Geplant ist nämlich, dass die Lösung später für die anderen UVEK-Ämter, aber auch für weitere Bundesstellen sowie auch für kantonale Stellen angepasst, erweitert und genutzt werden kann.
 
Projektbeginn in einigen Tagen geplant
Der geplante Projektbeginn (30.10.2019) und das Projektende (31.3.2020) des zwei-Millionen-Auftrages "Grundleistung inklusive Detailspezifikation" kann realistisch sein. Rubicon war schon vor dem Zuschlag Sublieferant von Atos bei der Einführung von Acta Nova, und die Wiener haben "im Umfeld des E-Gov Programms die Tauglichkeit von GEVER BS als E-Gov Back-Office Lösung nachgewiesen sowie ein mögliches Szenario für die Integration einer E-Gov Front-Office Lösung aufgezeigt und umgesetzt", so die Unterlagen.
 
Anschliessend sollten die Optionen zum Tragen kommen, die auf März 2021 beziehungsweise Mai 2022 terminiert sind. Es geht dann um fehlende E-Gov Front- und Back-Office-Komponenten, es wird in dieser Phase die Integration von IAM und SAP) anstehen, ebenso diverse Teilprojekte der beiden "Pioniere". Vertragsende ist 2030.
 
Die Projektabwicklung erfolgt übrigens agil (HERMES 5.1 Szenario "IT-Individualentwicklung agil") und auf das Resultat darf man gespannt sein. Der Rubicon-Slogan lautet nämlich unbescheiden "Software, die begeistert." (mag)