Probleme mit neuer IT an Berns Schulen

Lehrpersonen bekunden Schwierigkeiten mit Open-Source-Lösungen. Das Schulamt will Verbesserungen vornehmen.
 
Nach den Herbstferien startete Mitte Oktober an den Schulen der Stadt Bern die neue Schul-IT und webbasierte Lernplattform "base4kids2". Einerseits erhielten dabei die Schüler iPads als Arbeitsgeräte, andererseits wird bei der Software neu auf Open-Source-Lösungen gesetzt. Doch der Projektstart verläuft harzig, wie 'Bund' und 'Berner Zeitung' berichten.
 
"Base4kids2" war im November 2018 von den Stadtberner Stimmberechtigten angenommen worden, die Ausgaben von 25 Millionen Franken für Anschaffung, Wartung, Support und Lizenzen bewilligten. Ein Teil des Zuschlags war schon im Vorfeld an Abraxas vergeben worden.
 
Zu reden gab bereits bei der Projektvorstellung, dass die Stadt auf Microsoft- und Google-Produkte verzichten und zukünftig zum grössten Teil auf Open-Source-Lösungen setzen will. Schuldirektorin Franziska Teuscher sagte damals, Kinder müssten heute nicht mehr bestimmte Programme lernen, sondern grundsätzlich befähigt werden, sich in einer zunehmend komplexer werdenden digitalisierten Welt zurechtzufinden.
 
Menschentraube um den IT-Verantwortlichen
Zwei Wochen nach der Einführung zeigen sich nun verschiedene Lehrpersonen ernüchtert. "In jeder Pause schart sich um den Informatikverantwortlichen unserer Schule eine grosse Menschentraube, weil alle Hilfe brauchen", sagte Manuel C. Widmer, Primarlehrer und GFL-Stadtrat, dem 'Bund'.
 
Probleme würde vor allem die Umstellung auf die Office-App Collabora bereiten: Bisher verwendete Word-Dokumente würden ihre Formatierungen verlieren, Arbeitsblätter müssten neu geschrieben werden. Hinzu kämen Probleme beim Verbinden mit den Druckern sowie beim Speichern und Löschen von Dateien.
 
"Hat man die Komplexität unterschätzt?", fragt der 'Bund'. Und Manuel C. Widmer sagt: "Es hätte ein Pilotprojekt in einem Versuchsschulhaus durchgeführt werden sollen. Das hier ist ein Feldversuch an 1400 Lehrpersonen und 7000 Schülerinnen und Schülern."
 
Schulamt: "Anspruchsvolle Einführung"
Jörg Moor, stellvertretender Leiter Schulamt, bestätigt gegenüber inside-it.ch die Startprobleme: "Rückmeldungen der SMI (Spezialisten Medien und Informatik) in den Schulen deuten schon auf anspruchsvolle erste zwei Wochen hin. Grundsätzlich ist es so, dass die Umstellung nicht ganz reibungslos erfolgt ist und die Lehrpersonen Zeit benötigen, um sich an die neue Arbeitsweise zu gewöhnen."
 
Die Lehrpersonen würden die Arbeitsweise mit MS Office vermissen, da mit der neuen Software gewisse Kompatibilitätsprobleme vorhanden seien. Hauptprobleme seien aber auch auf der technischen Ebene zu finden: "Das Zusammenspiel aller einzelnen Software-Komponenten, die Integration der Systeme und Daten über Schnittstellen sind sehr komplex." Der Datentransfer sei aber grösstenteils problemlos verlaufen. " Die meisten Kinderkrankheiten sind erkannt und grösstenteils behoben", betont Moor.
 
Probleme auch mit anderen Open-Source-Programmen
Neben Collabora wurden noch weiter Open-Source-Tools eingeführt, darunter Kolab, Mahara und Mattermost. Bei der Filehosting-Software Nextcloud habe es zu Beginn Verbindungsprobleme gegeben. Bei der Lernplattform Moodle seien noch punktuelle Weiterentwicklungen nötig, und von Collabora soll eine verbesserte Version getestet werden.
 
"Im Rahmen der Fertigstellung sind noch diverse Optimierungen der Plattform in Arbeit", erklärt Moor. "Aktuell gilt das Augenmerk vor allem den Grundfunktionalitäten des Systems, dem Alltagsgebrauch." Den Lehrpersonen würden diverse Kanäle für Informationen zur Verfügung stehen. Weiterbildungen in den Schulen zu den vielfältigen pädagogischen Angeboten von "base4kids2" würden danach schulintern erfolgen. (Philipp Anz)