SGKB: "Container ist bei uns nicht nur ein Schlagwort"

Peter Büchi, IT-Leiter der St. Galler Kantonalbank, im Gespräch über den möglichen Weg in die Public Cloud, Container, Hypes und Altlasten.
 
Für einiges an Aufmerksamkeit hat sie gesorgt, die Ankündigung der UBS, gewisse Daten und einen Teil der IT-Infrastruktur in die Public Cloud zu verschieben. Unter anderem will die Grossbank Azure-Services aus den Schweizer RZs nutzen, um kritische Businessapplikationen zu modernisieren. Ist Public Cloud auch für die vergleichsweise kleine St. Galler Kantonalbank ein Thema? "Ja", ist im Gespräch mit CIO Peter Büchi zu erfahren. Allerdings mit einigen "Aber". Ein hoher Kostenblock, was die Rechenleistung anbelange, seien bei der SGKB das Kernbanken- und das E-Banking-System. Und diese Systeme seien tatsächlich noch nicht Cloud-ready respektive bedürften ohnehin einer Private Cloud.
 
Aber ein spannender Case derzeit sei sicher, was Microsoft in der Schweiz mit den lokalen Rechenzentren mache. Bei der Bank werde mit Office 365 On-Premise gearbeitet. Der Betrieb in einem Microsoft-Rechenzentrum wäre aber günstiger, da in der Lizenz inkludiert. Deshalb sei für das nächste Jahr ein Projektbudget gesprochen und es seien noch ein paar technische Fragen zu klären. Aber Ziel sei, in ein, zwei Jahren mit den Microsoft-Produkten zu einem guten Stück in der Schweizer Cloud zu sein, sagt Büchi.
 
Container in der Private Cloud
Ganz anders sieht es im Private-Cloud-Bereich aus. Vor rund einem Jahr habe die Bank bei Inventx eine Private Cloud eingeführt. Dies bedeute nicht, dass es jetzt rasant in die Public Cloud gehe, aber man könne gewisse Mechanismen, die die Cloud bringe, nutzen. Der Banken-CIO nennt etwa Continuous Delivery oder eine bessere Auslastung der eigenen Geräte. Und ja, man sehe Kosteneinsparungen.
 
Container sei bei der Bank "nicht nur ein Schlagwort", führt der IT-Chef weiter aus. Genutzt werde Docker als Container-Lösung, aber man setze "leider auch schon auf zwei Standards." Das liege daran, dass man bei Inventx mit Kubernetes angefangen habe. Und dann sei Avaloq, deren Software bei Swisscom betrieben werde, mit Openshift gekommen. Alle digitalen Lösungen, die die Bank betreibe – mit Ausnahme des E-Bankings – seien Docker-Lösungen. Erste Erfahrungen mit Container habe man vergangenen Sommer gemacht und anschliessend seien nach und nach alle Lösungen umgestellt worden. Mittlerweile sei es Standard. "Und ich stelle mit Freude immer wieder fest, dass noch nicht so viele Finanzinstitute in diesem Bereich so weit sind wie wir", so Büchi.
 
Ein Ziel sei gewesen, die Komplexitäten zu reduzieren. Bei Inventx sei man auf offene Ohren gestossen. Die zwei Inhaber "kann man schon immer für solche Sachen begeistern", so Büchi. Der Churer IT-Dienstleister sei auch bereit gewesen, die Risiken einzugehen, das nötige Know-how aufzubauen und das Geld zu investieren. Denn es habe noch nicht sehr viele Lieferanten für diese Themen für die Finanzbranche gegeben. Aber man merke die grosse Community an Entwicklern, die an Open-Source- oder Fast-Open-Source-Themen arbeiteten. In irgendeinem Onlineforum gebe es zu praktisch jeder Frage eine Lösung, sagt der CIO.
 
"Digitalisierung ist auch ein Mentalitätsthema"
Von Machine Learning könne man bei der Bank noch nicht sprechen, aber es werde analysiert, wie die Apps genutzt würden. Informationen, wie etwa bei welchem Schritt Vorgänge abgebrochen werden, fliessen in die Produktverbesserung. Im Endeffekt, so der IT-Chef, müsse man sehr genau wissen, wie welche Anwendung von den Kunden genutzt wird.
 
Vom E- und Mobile-Banking über einen Personal Finance Manager hin zu Apps wie "HäschCash" und "Wiitblick" verfüge die Bank über 15 Applikationen. "Welche Themen sich wirklich durchsetzen, was Kunden wirklich brauchen und was wieder verschwinden wird, können wir heute nicht sagen." Aber die Bank habe die Datengrundlage und diese könne man – natürlich anonymisiert – analysieren und diskutieren.
 
In Sachen Digitalisierung hätte man wahrscheinlich auch noch gar nichts machen "und sich ein paar Kosten sparen können", führt Büchi aus. Die Erträge wären deswegen vielleicht noch nicht eingebrochen. Aber dieser Tipping-Point komme sicher. Dies sei dann, wenn ein Kunde die Bank nicht wähle oder verlasse, weil man gewisse digitale Angebote nicht habe und somit nicht mehr attraktiv sei. Dies hole man wohl auch nicht mehr auf. "Das ist nicht nur ein Technologie-Thema, sondern auch ein Mentalitäts-Thema", schliesst er.
 
Roboter und Altlasten
Die Kantonalbank hat damit begonnen, Roboter einzusetzen. Mittlerweile habe man sieben Prozesse umgesetzt, die nun nicht mehr manuell, sondern automatisiert abgewickelt werden. Und es sollen noch mehr werden. Interessant werde das Thema Roboter dann, wenn ein gewisses Volumen vorhanden sei, etwa wenn irgendwelche Listen abgeglichen werden müssten. Die Bank schätze in einem Prozess ab, für welche Aufgaben eine Roboterisierung sinnvoll wäre, und priorisiere diese nach Aufwand und Ertrag. Man müsse aber fairerweise sagen, "Ertrag heisst FTEs, die es nicht mehr braucht". Wobei Büchi betont, dass man sozialverträglich arbeite und der Abbau über Pensionierungen geschehe. "Wir mussten noch niemanden entlassen".
 
Nach eineinhalb Jahren Erfahrung im Robotik-Bereich, könne man ein positives Fazit ziehen. Das Thema sei für ihn ausserdem spannend, weil es sich nicht um reine IT-Projekte handle. "Wir haben Leute in den Fachbereichen im Bereich Roboter ausgebildet." Es gebe zwar Informatiker, die dafür zuständig seien, aber eigentlich seien es die "Leute draussen", die die Roboter-Skripte schrieben. Dies habe den Vorteil, dass man einerseits nicht zwingend mehr IT-Ressourcen aufbauen müsse und ausserdem könne man das Skill-Set der Angestellten erweitern.
 
Wird über Innovationen gesprochen, so bleibt das Thema Altlasten nicht lange fern. "Das Management erwartet, dass wir mindestens 50 Prozent des Zusatzbudgets, das wir für neues generieren, mit Einsparungen beim Bestehenden wieder reinholen." Über 90 Prozent der IT-Projekte würden On-time und In-Budget abgeschlossen und auch mit Blick auf Altlasten sei man gut aufgestellt. Das Kernbankensystem wurde vor zehn Jahren auf Avaloq migriert und für die kommenden paar Jahre sehe er kein grosses Migrations-Projekt. Aber es gebe natürlich kontinuierliche Investitionen. Insgesamt stiegen die IT-Kosten – "nicht nur bei uns" und es sei wohl ein offenes Geheimnis, dass die Margen der Banken nicht stiegen.
 
Was immer ein Thema sei, fügt er im Gespräch an, sei die Organisationsentwicklung – wo steht man heute, wo möchte man morgen sein? Auch die Fragen, welche Skills man in der Bank brauche und welche man einkaufe, beschäftigten. "Der Make-or-Buy-Schnitt. Was macht man selbst und was kauft man extern? Wie werden die internen Prozesse organisiert und wie sollen die Leute 'up to date' gehalten werden", das seien Grundthemen, um die man sich ständig kümmern müsse. "Wenn es überall beginnt zu harzen, dann hat man seinen Job nicht gemacht", schliesst Büchi. (Katharina Jochum)