Digitale Fortschritte in Schweizer Städten und Gemeinden

Digitale Innovation ist kein Vorrecht der Grossen, lasst euch nicht abschrecken. So lautet ein Fazit einer SIK-Arbeitsgruppen-Tagung.
 
Am 11. Stelldichein der Spezialisten für die IT in der öffentlichen Verwaltung im Berner Rathaus standen in erster Linie Alltagserfahrungen mit digitalen Werkzeugen zur Diskussion. Rudolf Spiess, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Städte- und Gemeindeinformatik der Schweizerischen Informatikkonferenz (SIK), brachte es in seinem Fazit auf den Punkt: Städte und Gemeinden sollten sich nicht vom Tempo der IT-Entwicklung abschrecken lassen, dass die Hersteller vorlegen. Trotz der systemimmanenten Trägheit müsse es der öffentlichen Verwaltung gleichwohl darum gehen, Schritt zu halten. Ein Weg sei es, smarte Lösungen miteinander zu bauen, so Spiess.

Bereits im Eröffnungsreferat hatte Renate Amstutz, Direktorin des schweizerischen Städteverbands, vor gut 120 Gästen darauf hingewiesen, analog schlecht aufgestellte Verwaltungen würden digital nicht einfach besser. Was das in der Konsequenz bedeutet, illustrierte dann Steff Schnetzler, Gründer und Geschäftsführer der Firma i-Web. Dazu zeichnete er die Entwicklung der Städte- und Gemeindeinformatik von den ersten Gemeinde-Webseiten um das Jahr 2000 bis zu den jüngsten E-Gov-Innovationen wie Chatbots nach.

"Innovation in der digitalen Welt sind kein Vorrecht der Grossstaaten und Grosskonzerne", unterstrich er die hiesigen Digitalisierungsbemühungen. Die virtuelle Präsenz der Gemeinden mitsamt sicherem Online-Schalter seien hierzulande lange vor der Gründung von Google, Facebook und Co. Realität gewesen. Er plädierte denn auch dafür, auf diesem Weg weiter voranzugehen und die digitale Positionierung der Gemeinden auszubauen.

Das E-Government der Schweiz dürfe kein reiner Top-Down-Ansatz sein, betonte er. Fast alle würden den Webauftritt der Gemeinde kennen, fast niemand denjenigen des Kantons, geschweige denn denjenigen des Bundes. Die Bevölkerung habe das Bedürfnis nach lokaler Interaktion und sehe die Gemeinde hier als natürlichen Partner.

Dazu müssten die Gemeinden aber auch alle digitalen Kanäle nutzen. Alles, so Schnetzler, von Kultur und Sport,über die Wirtschaft, bis zur Infrastruktur müsse auf die Webseite der Gemeinden. Das eröffne unter anderem die Chance, Gelder in lokale Projekte, statt globale Konzerne umzulenken. Denn die Gemeinden seien viel näher am Bürger, müssten ihn aber adressieren. Hierbei sei beispielsweise die Nutzung der sozialen Medien noch kaum als lokaler Vorteil erschlossen.

Schliesslich erinnerte er noch daran, dass die hiesigen Gemeinden und Städte dem Bund und den Kantonen in der Digitalisierung oft in gewissen Bereichen einige Schritte voraus seien. Es seien die lokalen Player, die mit viel Pragmatismus, mit Innovationskraft und Alltagsorientierung die Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllen. "Dieses Smart-eGov in der Art der Gemeinden wird die Smart Cities von morgen erst ermöglichen", schob Schnetzler nach. Hier werde das Öffentlichkeitsprinzip umgesetzt, die Bevölkerung vernetzt und zur Mitwirkung an der Digitalisierung der Gesellschaft ermutigt.

Was das konkret heisst, zeigte sich an der Tagung in diversen Demonstrationen. So führte zum Beispiel Marco Bärtschi, Projektleiter der Stadt Luzern, vor, wie man mit einer Lösung von Innosolv die Adressverwaltung auf ein neues Niveau gehoben habe. Der Archivinformatiker von Glarus, Martin Jenny, erklärte am Beispiel der Baugesuchbearbeitung, wie sich mit der CMI-Dossierverwaltungslösung von Axioma Effizienzgewinne zwischen Gemeinden und Kantonen erschliessen liessen.

Samuel Sigrist von i-Web stellte ein Reservationssystem vor, dass im Sportamt der Stadt Bern im Einsatz ist und viele manuelle Arbeiten überflüssig machen würden. Genannt sei zudem noch eine Erfahrung, den die Gemeinde Aarburg mit der Einführung von aXc-Gever gemacht hat. Der per Video zugeschaltete Gemeindeverantwortliche Urs Wicki illustrierte die Umsetzung des Projektes anhand des bestehenden Postprozesses. Die ausgereifte analoge Abwicklung der Post, das Bewährte war hier die Basis der Digitalisierung.
 
Auch den übrigen Beispielen von der Stadt Aarau und Docuteam, von der Gemeinde Legnau und der Dialog Verwaltungs-Data oder von der Prozesswerkbank.ch war das sukzessive Vorgehen gemeinsam. Die Botschaft war klar: Die Innovationen der Digitalisierung halten Schritt für Schritt respektive Modul für Modul in den Gemeinden Einzug. Damit wurden im Berner Grossratssaal für einmal nicht die zweifellos vorhandenen Probleme digitaler Erneuerungen in den Städten und Gemeinden fokussiert, sondern eine breite Palette neuer Chancen eröffnet. (Volker Richert)