EFK ist zufrieden mit Stabilität der ÖV-Plattform Nova

Verkaufskanäle der ÖV-Produkte, die an Nova angebunden sind oder werden. (Grafik: SBB, mit Ergänzung EFK)
Die Plattform Nova sei "Motor und Getriebe" für den Verkauf im öffentlichen Verkehr in der Schweiz, schreibt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem Bericht. Die SBB haben von 2012 bis 2018 die Plattform Nova (Neue ÖV-Anbindung) in einem 100-Millionen-Projekt – Zentrales Preissystem (ZPS) – im Mandat der Branche realisiert. Die Plattform ersetzt veraltete Preis- und Vertriebssysteme des öffentlichen Verkehrs und ist damit die neue Branchenlösung. Von 85 Transportunternehmen und Tarifverbunden werden Leistungen via Nova vertrieben. Per Ende 2018 entsprach dies rund 300 Produkten, die über 46 angeschlossene Vertriebskanäle wie Billett-Apps oder -Automaten angeboten werden. Dies decke 80 Prozent des gesamten ÖV-Absatzes ab, fasst die EFK zusammen.
 
Die EFK hat bei den SBB als Entwickler und Betreiber der Plattform eine IT-Anwendungsprüfung durchgeführt. Im Fokus standen laut Bericht die Sicherstellung der korrekten Angebotsberechnung, die korrekte und vollständige Abrechnung der Leistungen sowie die getroffenen Massnahmen zur Gewährleistung eines zuverlässigen Betriebs der Plattform und deren Funktionen.
 
Plattform bewährt sich auch bei hohen Lasten
Die EFK schreibt, die Plattform erfülle ihre Anforderungen weitgehend und habe sich auch unter hoher Last bewährt. Das System wickle zu Spitzenzeiten pro Minute 5000 Preisanfragen, 3500 Angebote und 350 Verkäufe ab. Das Verfügbarkeitsziel von 99,5 Prozent werde in der Regel klar übertroffen.
 
Die EFK rät aber, die Massnahmen zur Sicherstellung der Service-Kontinuität mit szenariobasierten Tests verstärkt zu überprüfen. Auch für die Ausprägung der Berechtigungen sei ein übergreifendes Konzept zu entwickeln und umzusetzen. Zudem empfiehlt die EFK die Aktualisierung der Sicherheitsdokumentation und eine regelmässigere Durchführung von Sicherheitsaudits.
 
Qualitätssicherung könnte verbessert werden
Die Massnahmen zur Sicherstellung der korrekten Angebotsberechnung und Leistungsabrechnung, so ein weiteres Urteil der EFK, seien mehrheitlich angemessen. Im Rahmen der Prüfung habe man keine Fehler festgestellt. Auch der Übertrag der mit Nova verkauften und abgerechneten Leistungen an SAP erfolge korrekt und vollständig.
 
Bei der Qualitätssicherung und Transparenz im Änderungsmanagement aber, so heisst es weiter, müssten wesentliche Verbesserungen umgesetzt werden.
 
Insbesondere die Qualitätssicherung bei der Stammdatenbewirtschaftung zeige Verbesserungsbedarf. Die vorgesehenen Kontrollen beurteilt die EFK zwar als angemessen. Sie seien im Design auf die wesentlichen Prozessrisiken ausgerichtet, aber sie seien erst teilweise formalisiert oder deren Beschreibung seien nicht mehr aktuell.
 
Damit sei auch die Abhängigkeit von wenigen Fachexperten gross. "Die aufgezeigten Schwächen werden im Rahmen der kontinuierlichen stattfindenden Weiterentwicklungen behoben", schreibt die SBB in einer Stellungnahme. Dabei würden auch das Berechtigungsmanagement erweitert und Dokumentationslücken bereinigt. "Spätestens mit der Abschaltung der Prozesse und Systeme der alten Welt wird die Stammdatenbewirtschaftung durchgängig workflowtoolbasiert unterstützt", so die SBB im Bericht. (kjo)