KI "Roxanne" soll bei der Verbrecher-Bekämpfung helfen

Für die Entwicklung einer Software spannen Forschende und Ermittlungsbehörden in Europa zusammen. Die Koordination des KI-Projekts liegt beim Idiap in Martigny.
 
In einem europäischen Projekt kooperieren Forschende und Ermittlungsbehörden wie Interpol. Ziel sei eine Software, die helfe, mittels der Analyse grosser Datenmengen aus verschiedenen Quellen, kriminelle Netzwerke aufzudecken. Das internationale Forschungsprojekt "Roxanne" (Real Time Network, Text, and Speaker Analytics for Combating Organized Crime) bringt dafür Forschende, Unternehmen und Ermittlungsbehörden zusammen. Kürzlich starteten die 23 Projektpartner die Zusammenarbeit offiziell. Roxanne wird über Horizon2020 mit sieben Millionen Euro von der EU unterstützt. Koordiniert wird das Projekt vom Forschungszentrum Idiap in Martigny (VS).
 
"Die Aufdeckung krimineller und terroristischer Netzwerke ist die Hauptaufgabe der Strafverfolgungs- und Nachrichtendienste in ganz Europa", heisst es auf der Roxanne-Website. Kriminelle würden verschiedene Kanäle zur Kommunikation benutzen. Während die persönliche Kommunikation innerhalb ihrer Netzwerke in der Regel innerhalb von Standard-Mobilfunknetzen und VoIP-ähnlicher Kommunikation wie Skype erfolge, könne ein erheblicher Anteil von Informationen in öffentlichen Medien, etwa Social Media vorhanden sein. Die Bestimmung und Verfolgung von Zielidentitäten über die verschiedenen Kanäle hinweg sei schwierig, schreiben die Initianten zum Hintergrund des Projekts.
 
Bis 2022 soll ein Tool entstehen, das Spracherkennung, automatische Bildanalyse und Netzwerkanalyse kombiniert. Damit sollen in grossen Datenmengen relevante Muster und Verbindungen aufgezeigt werden, um Kriminelle zu verfolgen und zu identifizieren. Solche Analysen könnten präzisere Informationen zu verdächtigen Personen liefern, beispielsweise zu Herkunft, Alter und Geschlecht.
 
Eine grosse Herausforderung sei, dass das Programm die unterschiedlichen Formate, in denen Hinweise von den verschiedenen Behörden gesammelt werden, lesen und verstehen können muss.
 
Test mit fiktiven oder alten Fällen
Eine weitere Hürde bestehe darin, wie das neue Programm getestet werden soll: Da es sich um sensitive und teils geheime Informationen handle, müssten die Forschenden rechtliche Fragen berücksichtigen. Hierin bestehe auch der Beitrag seitens Interpol, wie die internationale Behörde zum Projekt schreibt: Sicherzustellen, dass die entwickelten Tools den rechtlichen Vorschriften und den Interpol-Regeln zur Datenbearbeitung entsprechen.
 
Die Forschenden könnten einerseits mit fiktiven oder älteren, ungeklärten Fällen arbeiten, um die Software zu testen. Alternativ wäre es möglich, eine Testversion den Ermittlungsbehörden zur Überprüfung zu übergeben, wie das Idiap schreibt.
 
Bisher ist geplant, das Programm ausschliesslich für die Analysephase einzusetzen. Entscheidungen über die Bewertung und Weiterverwendung von Hinweisen, sowie die zu ergreifenden Schritte sollen beim Menschen verbleiben. Es sei nicht vorgesehen, Resultate des Programms als Beweismittel vor Gericht einzusetzen. (kjo/Keystone-sda)