IT-Schildbürger­streich bei der deutschen Bundes­wehr

Die Beschaffer von IT-Infrastruktur im deutschen Verteidigungsministerium dürften die Kritik, die sie gerade vom deutschen Rechnungshof einstecken mussten, nicht sehr lustig finden. Von aussen gesehen ist die Geschichte aber amüsant.
 
Das Verteidigungsministerium plant nämlich die Beschaffung von 61'000 zusätzlichen Laptops für etwa 173 Millionen Euro. Dies mit dem Ziel, dass die Soldaten mehr als bisher mobil arbeiten können.
 
Das Ziel liegt im Trend der Zeit. Und eine Laptop-Beschaffung sollte eigentlich heutzutage kein komplexes Projekt sein. Was also bewegte den deutschen Rechnungshof, das dortige Pendant zur Eidgenössischen Finanzkontrolle, das Projekt als "weder konzeptionell abgeleitet noch dokumentiert" zu bezeichnen? Wie der 'Spiegel' berichtet, dem ein vertraulicher Bericht des Rechnungshofs vorliegt, hat dieser herausgefunden, dass die Laptops die Soldaten kaum mobiler machen werden.
 
Der Grund seien die limitierten Zugänge zum gesicherten Intranet der Bundeswehr, erklärt der Rechnungshof laut 'Spiegel'. Das Intranet brauchen die Soldaten, um beispielsweise Mails abrufen oder Zugang zu vertraulichen Planungsunterlagen oder bestimmten Projektgruppen zu bekommen.
 
Das Verteidigungsministerium wolle zwar die Zahl der Endgeräte, die sich über einen Fernzugriff einloggen können, in den nächsten Jahren auf rund 60'000 erhöhen. Aber auch dann könnten nur maximal 12'000 Clients zur gleichen Zeit von Aussen auf das Intranet zugreifen.
 
Für den mobilen Fernzugriff müssten die Soldaten also irgendwie ihre Zugriffszeiten absprechen. So entstünde eine Art IT-Mangelwirtschaft, da man den Intranet-Zugang "aufwendig koordinieren muss", so der Rechnungshof.
 
Das kritisierte Ministerium illustriere in seiner Antwort auf diese Vorwürfe eine "antiquierte Sicht auf die digitale Welt", findet der 'Spiegel'. So führe das Ministerium an, dass die Soldaten problemlos auf das Intranet zugreifen können, solange sie sich innerhalb der Kasernen aufhalten. Und zu Hause könne man auch mit zuvor schon heruntergeladenen Daten arbeiten.
 
Der Rechnungshof wiederum schreibt dazu laut 'Spiegel' nüchtern, dass diese Arbeitsweise "nicht den Anspruch an eine moderne und leistungsfähige mobile IT-Ausstattung" erfülle." (hjm)