Google will ins Geschäft mit Giro-Konten einsteigen

Google wird Kunden in einer Partnerschaft mit der Citigroup-Bank persönliche Girokonten anbieten, meldet das 'Wall Street Journal'. Das Projekt mit dem Codenamen "Cache" soll 2020 starten.
 
Dabei sollen die Namen der Finanzinstitute, nicht "Google" auf den Konten prangen, sagte ein anonym bleibender Manager dem 'Wall Street Journal' (Paywall). Und Google werde die Compliance und andere Aspekte den Banken überlassen, die der Online-Konzern ohne Lizenz ohnehin nicht durchführen könnte.
 
Der Tech-Gigant strebe "eine intensive Partnerschaft mit den Banken und dem Finanzsystem an", wird ein Manager zitiert. Warum Google sich für Girokonten interessiert? Es handle sich um ein kommerzielles Produkt, und die Kunden wechseln dieses nicht oft. "Aber diese Konten enthalten eine Fülle von Informationen, darunter Salärdaten, wo sie einkaufen und welche Rechnungen sie bezahlen", erläutert die Zeitung.
 
Google selbst soll bescheidene Ziele verfolgen, beispielsweise mit Services wie Treueprogramme einen Mehrwert bieten. Man wolle nicht die Finanzdaten der Girokonto-Nutzer verkaufen. Ein Manager sagte der Zeitung, "dass es keine Google-Pay-Daten für Werbezwecke verwendet und diese Daten nicht an Werbetreibende weitergibt".
 
Es ist nicht der erste Versuch von Google, in die Finanzbranche einzudringen. 2011 lancierte der Konzern Google Wallet, mit welchem User ihre bestehenden Kredit- und Debitkarten digital speichern und einkaufen konnten. Im Jahr 2015 wurde damit experimentiert, Rechnungen per E-Mail zu bezahlen. Und mit Google Cloud will man sich aktuell im Finanzsektor als Infrastruktur- und Datenservice-Anbieter etablieren.
 
Facebook, Amazon und Apple wittern auch Geld
"Cache" scheint ein weiterer Beweis dafür, dass und wie Big Tech versucht, den Bankensektor in Frage zu stellen. Facebook arbeitet an einem Stablecoin namens "Libra" und der Konzern hat soeben einen neuen Facebook Pay-Service angekündigt, der es den Nutzern ermöglichen soll, Zahlungen sicher aneinander zu senden. Während Facebook-Nutzer schon Geld über die Messenger-App senden konnten, verbindet Facebook Pay alle vier Social-Media- und Messaging-Apps des Unternehmens. Facebook Pay werde die meisten gängigen Kredit- und Debitkarten sowie PayPal akzeptieren.
 
Apple hat zudem eine Kreditkarte eingeführt und Amazon hat mit den Banken Gespräche geführt, um Privat-Konten einzuführen.
 
Inwiefern Menschen bereit sind, Google noch weitere sensible Daten zur Nutzung zu geben, wird sich zeigen. Das Projekt "Cache" wird jedenfalls garantiert Regulatoren und Konsumentenschützer auf den Plan rufen. (mag)