HP wird langsam hässig auf Xerox

Xerox will die Übernahme wenn nötig auch gegen den Willen des HP-VRs weiterverfolgen. Die Reaktion des HP-Chefs ist ungewöhnlich scharf.
 
Xerox hält weiterhin an seinem Plan zur Übernahme von HP fest, und dies führt zu erhöhten Spannungen zwischen den beiden Unternehmen. Am vergangenen Donnerstag gab der CEO von Xerox, John Visentin, HP eine Frist bis heute, Montagabend, um einer gegenseitigen Due Diligence zuzustimmen und damit den Weg für eine freundliche Übernahme zu öffnen. Anderenfalls werde man sich mit der Offerte direkt an die HP-Aktionäre wenden. Dies würde eine feindliche Übernahme bedeuten, bei der beide Seiten um die Gunst der Aktionäre buhlen.
 
HP wird das Ultimatum von Xerox nicht befolgen. In einem Antwortbrief lehnt der CEO von HP, Enrique Lores, das Angebot von Xerox ein weiteres Mal rundweg ab. Zuerst wiederholt Lores die bisherigen Argumente gegen die Offerte: Der HP-Verwaltungsrat finde den angebotenen Preis deutlich zu tief. Es gebe zudem Zweifel, ob sich Xerox das nötige Bargeld überhaupt ausleihen könnte und wie sich die resultierende Schuldenlast auf das Unternehmen auswirken könnte. Das Angebot sei keine genügende Basis für eine Due Diligence und weitere Verhandlungen.
 
Lores kritisiert zudem eine mangelnde Informationsbereitschaft von Xerox: "Eure aggressiven Worte und Aktionen machen es klar, dass Xerox entschlossen ist, einen Zusammenschluss unter opportunistischen Bedingungen zu erzwingen, ohne adäquate Informationen herauszugeben." HP habe schon in vorausgegangenen Diskussionen mit Xerox im August und September grundsätzliche Fragen gestellt. Die Xerox-Verantwortlichen hätten diese nicht beantwortet und die Diskussionen lieber beendet.
 
Und Lores macht auch den ungewöhnlichen Schritt, das Unternehmen Xerox beziehungsweise dessen Geschäftsleitung direkt zu kritisieren. Man sei weiterhin voll überzeigt, dass HP auch gut ohne Xerox auskommen könnte. Die grosse Frage sei aber, ob es einen Weg gebe, einen Turnaround für Xerox zu schaffen.
 
Xerox habe beispielsweise die Umsatzerwartungen von Analysten in vier der letzten fünf Quartale verpasst. Der 12-Monats-Umsatz von Xerox sei seit Juni 2018 von 10,2 auf 9,2 Milliarden Dollar gefallen. Zudem sei der Umsatz von Xerox stark von Serviceverträgen abhängig und genau der Umsatz mit Verträgen sei prozentual noch stärker gesunken. Dies könnte einen noch grösseren Umsatzverlust in der kommenden Zeit nach sich ziehen. (hjm)