Finanzsektor setzt stark auf RPA, aber oft fehlt die Strategie

Robotic Process Automation wird meist noch punktuell eingesetzt, wie aus einer Studie hervorgeht. Grosse Herausforderungen sind Governance und Prozessauswahl.
 
Über die Hälfte der Banken in Europa setzen bereits auf Robotic Process Automation (RPA) und nochmals 11 Prozent arbeiten an einem Projekt zur Umsetzung. Dies geht aus einer Befragung der Consultingfirma ZEB hervor, die im Bankensektor Europas – mit Schwerpunkt auf die DACH-Region – durchgeführt wurde.
 
Nur 36 Prozent der Befragten gaben an, keine praktische Erfahrung mit RPA zu haben. Sie nannten mangelnde Ressourcen und Budgets, fehlende Transparenz über die Wirtschaftlichkeit, fehlender Kenntnis von Anwendungsfeldern und einem anderen Fokus als Gründe, warum sie auf die Technologie verzichten.
 
Auch unter den Anwendern gibt es einige Herausforderungen zu meistern. Am häufigsten genannt wurden: Governance, fehlende Digitalisierung und intelligente Prozessauswahl. Dennoch wird RPA im Vergleich mit anderen Technologien als Zukunftsthema betrachtet, wie aus der Studie von ZEB hervorgeht.
 
Den grössten Nutzen sehen die befragten Manager in einer Entlastung der Mitarbeiter. Dieses Ziel haben nach eigenen Angaben 93 Prozent mit RPA erreicht. Dahinter folgen eine Reduktion der Kosten (erreicht von 87 Prozent) und eine schnellere Bearbeitung (77 Prozent) von Aufgaben. Zudem gaben noch 70 Prozent an, dass sie dank RPA die Fehlerquote verringern und dadurch die Qualität verbessern konnten.
 
Derzeit wird RPA noch überwiegend für punktuelle Aufgaben im Backoffice eingesetzt. So setzen auf der Aktivseite 83 Prozent der Institute auf RPA etwa in der Baufinanzierung, der Kreditsachbearbeitung oder der Änderung der Limite für Konto-Überziehungen. Zudem kommt die Technologie bei fast drei Vierteln der RPA-Einsetzenden in Passivprozessen etwa bei der Bearbeitung von Kundenstammdaten und der Kontoeröffnung zum Einsatz. In der IT setzen
Grafik: ZEB
bislang erst 27 Prozent der Befragten auf den Automatisierungs-Ansatz.
 
So ist es auch wenig erstaunlich, dass RPA nur bei 37 Prozent in die Unternehmensstrategie eingebettet ist und bei einem Fünftel eine separate RPA-Strategie gefahren wird. Fast die Hälfte der befragten Anwender kennt keine übergreifende Steuerung und Governance.
 
Technologischer Platzhirsch im Bankenumfeld ist der US-amerikanische RPA-Anbieter UiPath, auf den 45 Prozent der Unternehmen setzen. Dahinter folgt das britische Softwarehaus Blueprism, das ein Drittel der befragten Institute zu seinen Kunden zählt.
 
Befragt wurden von ZEB 47 Führungskräfte, davon gehören 40 Prozent zur obersten operativen Ebene. Aus der Schweiz stammen acht Befragte, die bei Grossbanken, Kantonalbanken und Versicherern arbeiten, wie ZEB gegenüber inside-it.ch erklärt. Die Consultingfirma bietet Beratungen im Umfeld Banking, Fintech und Innovation. (ts)