Pisa-Studie: Computer können schulisches Lernen verschlechtern

Durchschnittliche Leistungen in den drei Pisa-Bereichen nach dem Einsatz digitaler Geräte im Unterricht durch Lehrpersonen und/oder Schüler, in der Schweiz (in Relation zu "Wurde im letzten Monat ein digitales Gerät zum Lernen oder Unterrichten benutzt?"). (Grafik: Pisa 2018)
Die Schweiz weist gemäss der Pisa-Studie beim Einsatz von digitalen Geräten in der Schule noch einen Rückstand gegenüber dem Durchschnitt der OECD-Länder auf.
 
Der Rückstand betrifft weniger die IT-Infrastruktur, in welche unter dem Stichwort "Lehrplan 21" aktuell relativ viel investiert wird. "Die Situation in Bezug auf die schulische IT-Infrastruktur in der Schweiz ist recht zufriedenstellend", sie entspreche "in etwa dem Durchschnitt der OECD-Länder", heisst es auf die Schweiz bezogen in der internationalen Vergleichsstudie Pisa zum Jahr 2018.
 
Im Rückstand ist die Schweiz dabei, wie und wozu Notebooks, PCs oder Tablets im Unterricht eingesetzt werden.
 
Statistisch gesehen schneiden nämlich diejenigen Schüler im Durchschnitt besser ab, welche keine Computer im Unterricht einsetzen konnten. Falls Schüler Notebooks oder Tablets im Unterricht nutzen, so sind ihre Leistungen schlechter, heisst es im Bericht. Die schlechteren Leistungen sind sowohl beim Lesen, wie auch in Mathematik und Naturwissenschaften festzustellen.
 
Dieses Ergebnis sei jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, wenn man die tatsächlichen Auswirkungen des Einsatzes von ICT auf die Schulleistungen beurteilen wolle, heisst es im Bericht der Erziehungsdirektorenkonferenz zum Pisa-Bericht. Eine entscheidende Rolle für den Lernerfolg dürfte nämlich speziell spielen, wie Computer im Unterricht eingesetzt werden.
 
Digitale Geräte könnten zu einem Ablenkungsfaktor werden, der mit einer Reduktion der eigentlichen Lernzeit einhergehe. Als Beispiele für Ablenkungen vom Lernen werden etwa das Chatten mit Freunden oder das Surfen im Internet genannt.
 
Diese Korrelation scheine sich durch die Pisa-Datenanalyse zu bestätigen. Die Schüler, die in den getesteten Bereichen deutlich höhere Leistungen erbracht hätten, seien gleichzeitig auch diejenigen gewesen, die angegeben hätten, dass nur Lehrpersonen im Unterricht Computer eingesetzt hätten. Hätten hingegen Schüler digitale Geräte eingesetzt, so sei dies mit den schlechtesten Leistungen einhergegangen.
 
Die Autoren fordern nun tiefgreifendere Untersuchungen dieser komplexen Zusammenhänge: "So wurde beispielsweise festgestellt, dass das Potenzial der Nutzung digitaler Geräte auch von der Unterrichtsstrategie der Lehrperson im Klassenzimmer abhängt", heisst es im Bericht.
 
Die Unterrichtsstrategien seien in der Schweiz sehr unterschiedlich, aber es fehle auch an Anreizen für die Lehrpersonen, Computer in den Schulalltag zu integrieren. Zudem hätten viele Lehrpersonen nicht das technische Wissen, um die Geräte im Unterricht sinnvoll einzusetzen. "Hier gäbe es Möglichkeiten für eine stärkere Unterstützung."
 
Neben der Aus- und Weiterbildung des Lehrkörpers müsse auch in innovative Lehrmittel investiert werden, mahnen die Autoren.
 
Allgemein schnitten die Schweizer Schüler im Pisa-Test gut ab. Die 15-Jährigen erreichen im internationalen Vergleich erneut ein sehr gutes Ergebnis in Mathematik. Und auch in den Naturwissenschaften würden sie "signifikant über dem OECD-Durchschnitt" liegen.
 
Die internationale Vergleichsstudie Pisa wird seit 2000 alle drei Jahre durchgeführt. In der Schweiz nahmen rund 6000 Schüler aus über 200 verschiedenen Schulen an der Erhebung teil. Der Schweizer Pisa-2018-Bericht ist mit weiteren Analysen zu Kompetenzen oder Mobbing als PDF verfügbar. (mag mit Material von Keystone-sda)