Google-Gründer Page und Brin treten zurück

Sergey Brin und Larry Page haben Google vor über 20 Jahren an der Stanford Universität gegründet. (Bild. Joi Ito unter CC-2.0-Lizenz)
Larry Page und Sergey Brin ziehen sich in den Verwaltungsrat zurück. Google-CEO Sundar Pichai übernimmt eine Doppelrolle.
 
Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin geben ihren Rücktritt bekannt. Wenn Google eine Person wäre, schreiben sie in einem Brief, wäre sie ein junger Erwachsener und es wäre an der Zeit, das Nest zu verlassen. "Es ist zwar ein grosses Privileg, so lange Zeit tief in die tägliche Führung des Unternehmens eingebunden zu sein, aber wir glauben, dass es an der Zeit ist, die Rolle stolzer Eltern zu übernehmen, die Ratschläge und Liebe geben, aber nicht täglich nörgeln!"
 
Mit der Reorganisation des Konzerns und der Gründung der Alphabet-Holding im Jahr 2015 übernahm Page die Leitung von Alphabet als CEO und Brin wurde President der Holding. Page stand Google während der Anfangsphase bis 2001 als CEO vor und übernahm den Chefposten nach dem Abgang von Eric Schmidt wieder für ein paar Jahre.
 
"Da Alphabet inzwischen gut etabliert ist und Google und die Other Bets als unabhängige Unternehmen effektiv arbeiten, ist es an der Zeit, unsere Managementstruktur zu vereinfachen", schreiben die Firmengründer. "Alphabet und Google brauchen nicht mehr zwei CEOs und einen Präsidenten." Sundar Pichai, der seit 2015 an der Spitze von Google steht, werde die Leitung von Google behalten und die Verwaltung der Investitionen von Alphabet in das Portfolio der Other Bets übernehmen.
 
Die beiden Mitgründer wollen sich aber weiterhin als VR-Mitglieder und Aktionäre im Unternehmen engagieren. Durch besondere Aktien mit mehr Stimmrechten behalten sie weitgehend das Sagen. "Darüber hinaus planen wir, weiterhin regelmässig mit Sundar zu sprechen, insbesondere zu Themen, die uns besonders am Herzen liegen!", heisst es im Brief weiter.
 
Google bringt Alphabet das Geld
Die von den Google-Gründern beschriebene Vereinfachung des Managements wirft Fragen zur künftigen Unternehmensstruktur auf. Die Alphabet-Holding wurde vor vier Jahren gegründet, um die Cash Cow Google von den verlustreichen Other Bets zu differenzieren.
 
In den Other Bets sind Unternehmen gebündelt, die viel Investitionen benötigen und kaum Umsatz generieren. Dazu gehören etwa der Entwickler autonomer Autos Waymo, die KI-Firma Deepmind und bis vor Kurzem die Cyber-Security-Einheit Chronicle.
Sundar Pichai ist neu CEO von Alphabet und Google. (Bild: Google)
Nach wie vor kommt der grösste Teil des Alphabet-Umsatzes von Google.
 
Pichai betont in einem Blogeintrag, dass der Führungswechsel die Alphabet-Struktur nicht beeinflussen werde.
 
Google im Visier der Behörden
Der neue Firmenchef arbeitet seit rund 15 Jahren für Google. Pichai wird eine tragende Rolle in der Entwicklung einiger erfolgreichen Consumer-Produkte zugeschrieben, darunter der Chrome-Browser und Google Drive. Bevor er zum CEO ernannt wurde verantwortete er ab 2013 das Android-Business.
 
Der Firmenchef wird sich einer Reihe von Herausforderung stellen müssen, insbesondere was die Zusammenarbeit mit den Behörden anbelangt. Google befindet sich derzeit unter genauer Beobachtung von Wettbewerbsbehörden in den USA wie auch in Europa. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verhängte bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google.
 
Aber auch firmenintern kommen immer wieder Reibereien und Probleme zum Vorschein. Für Schlagzeilen sorgten etwa Mitarbeiterproteste wegen einzelner Projekte oder der Arbeitskultur. Jüngst gab es auch Berichte, dass das Management versuche, Mitarbeiter daran zu hindern, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
 
Gegenüber 'Reuters' sagte ein Alphabet-Aktionär und Investment-Stratege, dass Google und Alphabet zwar mit einer Reihe von Problemen konfrontiert seien, darunter politische Angriffe und regulatorische Prüfungen, aber dass Pichai mit seiner umgänglichen Art, "einzigartig geeignet" sei, diese zu meistern. (kjo)