Schaffhausens autonomer Bus braucht neue Software

19. September 2023 um 07:00
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Der autonome Bus der "STL Linie 13" im Einsatz. Foto: Swiss Transit Lab

Die Betreibergesellschaft des selbstfahrenden Busses hat ein Problem. Das finnische Startup, das die Software entwickelt hat, ist insolvent.

Swiss Transit Lab (STL), die Betreibergesellschaft hinter dem autonomen Bus in Schaffhausen, steht vor einem Problem. Im April hat das finnische Startups Sensible4, das für die Entwicklung der Software für das Fahrzeug ver­ant­wortlich war, Insolvenz angemeldet. Zwar soll der Betrieb des Fahrzeuges bis mindestens Ende 2023 sichergestellt sein, die Zeit danach ist allerdings noch ungewiss.
Auf Nachfrage teilte uns die Organisation mit, dass derzeit Evaluationen und Diskussionen für die Zukunft des Projekts laufen. Aufgrund der Insolvenz hat STL den Betrieb und die Server von Sensible4 entkoppelt. "Die 'STL Linie 13' ist nach den entsprechenden Umstellungen unverändert in Betrieb und hat keine Beeinträchtigung erfahren", schreibt Geschäftsführer Patrick Schenk auf unsere Anfrage.

Keine Updates mehr

Betroffen ist aber die Weiterentwicklung des selbstfahrenden Busses. Eigentlich sollten noch kurzfristige Verbesserungen am Fahrkomfort und eine optimierte Streckenführung entwickelt werden. Längerfristig standen auch weiterführende Funktionalitäten wie eine effektive Objektidentifizierung und eine entsprechende Verhaltensprojektion auf dem Plan. Dafür müssen jetzt Alternativen her.
Von Sensible4 werde es keine Updates mehr geben, bestätigte Schenk. Das Insolvenzverfahren in Finnland läuft derzeit noch. Erst nach dessen Abschluss werde sich zeigen, welche Optionen zur Verfügung stehen. Eine denkbare Möglichkeit wäre gemäss dem Geschäftsführer ein Service Level Agreement mit einer Auffanggesellschaft.

Kommt ein Schweizer Technologiepartner?

Derzeit ist die Betreibergesellschaft auf der Suche nach neuen Technologie­partnerschaften und schaut sich international nach Lösungen um. Dabei hätte STL bereits vor 2 Jahren, als die erste Evaluation für den autonomen Bus durchgeführt wurde, gerne auf lokale Technologien gesetzt. Diese waren zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht oder nur ungenügend vorhanden.
Unterdessen habe sich auf dem Markt jedoch einiges getan, schreibt Schenk. Player wie beispielsweise Embotech oder auch Acronis SIT Autonomous seien als potenzielle neue Technologiepartner auf dem Radar. Zurzeit werden diverse Möglichkeiten geprüft, spruchreif sei bisher allerdings noch keine, heisst es auf unsere Anfrage.

Betrieb hat sich bewährt

Trotz der Insolvenz von Sensible4 würde der Geschäftsführer das Projekt als einen Erfolg bezeichnen. Im Zuge des Pilotversuchs habe sich gezeigt, dass sich die Umrüstung eines Serienfahrzeugs mit Dual-Mode-Technologie bewährt. Zum anderen konnte auch die Allwettertauglichkeit des Sensible4-Systems im Betrieb mit Starkregen und Hagel getestet werden. Ein Härtetest mit Schnee und Eis steht allerdings noch aus.
Der Betrieb des autonomen Busses laufe sehr stabil, schreibt Schenk. Nach 4 Monaten in Betrieb und über 2000 gefahrenen Kilometern konnten keine Fehler im System erkannt werden. Sollten trotzdem mal Probleme auftauchen, "müssen wir deren Schwere und Auswirkungen auf den Betrieb beurteilen", so der Geschäftsführer.

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